Taufe #2

…diesmal aber nicht meine 😀

Vor einer Woche wurde ich von einer Mama aus dem Kinderdorf angesprochen, ob ich am Sonntag bei der Taufe ihrer beiden Kinder (eins der beiden lebt auch mit ihr im Kinderdorf) in der Lutheranischen Kirche dabei sein kann um Fotos zu machen. Ich musste mir zwar erstmal eine Kamera leihen, ansonsten freute ich mich sehr über diese Bitte.

Also machten wir uns Sonntagmorgen in Sonntagskleidern zu Fuß und mit dem Dalladalla auf den Weg in die kleine Lutheranische Kirche in Mbigili, wo um 10 Uhr der Gottesdienst beginnen sollte. Wir waren eine halbe Stunde zu früh dort, hatten also noch ein wenig Zeit vorher die Tochter einer unserer Küchenmamas zu besuchen, die ganz in der Nähe in einem kleinen Lehmhaus wohnt. Sie hatte gerade 4 Tage vorher ihr erstes Kind bekommen, was wir freudig bewunderten. Wir wurden herzlich von ihr in dem kleinen ‚Wohnzimmer’ empfangen, in dem zwei Sessel und eine Dreisitzer-Couch um einen kleinen Couchtisch standen. An den Wänden hing ein christliches Poster, eine Handtasche und ein Hannah Montana – Rucksack. Das Schlafzimmer lag direkt dahinter und war nur durch einen Vorhang vom Wohnzimmer getrennt. Einen weiteren Raum besaß das Haus nicht, trotzdem war es sehr gemütlich. In dem kleinen Haus wohnen drei Generationen. Das Neugeborene mit seiner jungen Mutter und seiner Großmutter. Außerdem sprang noch ein anderes kleines Mädchen um das Haus herum und eine ältere Frau war dort. Ob diese beiden auch dort wohnen, weiß ich aber nicht.

Als wir um kurz nach 10 zurück zur Kirche kamen, waren schon einige Menschen aus dem Dorf um das Gebäude versammelt und der Vater, die Tante und die (auch zu taufende) Schwester unseres kleinen Täuflings Noel waren angekommen. Alle begrüßten sich herzlich und nach kurzer Zeit wurde dann zum Gottesdienst gerufen, indem jemand mit einem Stock auf ein dickes Metall schlug, was einen ähnlichen Klang erzeugte, wie Kirchenglocken in Deutschland. Die Kirche ist aus Lehm gebaut und besteht aus einem einzigen kleinen Raum, in dem etwa 80 Menschen auf Plastikstühlen Platz nehmen können. Der Gottesdienst wurde von zwei Pfarrern geleitet: dem eigentlichen Pfarrer aus Mbigili, ein sehr netter Mensch, den ich schon einmal kennengelernt habe, und einem Gastpfarrer, der eigentlich in Ilula, einer kleinen Stadt ganz in der Nähe von Mbigili, arbeitet. Beide versuchten den Gottesdienst so spannend und interessant wie möglich zu gestalten, sie nahmen Beispiele aus dem Alltag um ihre Worte zu erklären und brachten die Gemeinde häufig zum Lachen. Auch wenn ich nicht immer alles verstand, konnte ich den beiden recht gut folgen und die langen Predigten machten mir kaum etwas aus. Es gab zwei verschiedene Chöre (Kiswahili ‚kwaya’, wie engl. Choir): einen Kinderchor und einen Chor von Erwachsenen und generell wurde viel mehr gesungen als in der katholischen Kirche. Die Lieder wurden meistens von einer Person vorgesungen und die restliche Gemeinde antwortete im Chor oder sang den Refrain. Ich konnte schnell bei den Liedern mitsingen, weil sich die Zeilen meistens sehr oft wiederholen.

Die eigentliche Taufe von Noeli, seiner Schwester und noch zwei weiteren Kindern fand erst ganz zum Schluss, nach über zwei Stunden regulärem Gottesdienst statt und war auch sehr schnell wieder vorbei. Es wurden keine Reden gehalten, Sprüche vorgelesen oder Kerzen angezündet, die Kinder wurden nur gesegnet, bekamen ein Wasserkreuz auf die Stirn und den Hals und wurden in der Gemeinde Willkommen geheißen. Am Ende bekamen alle Erwachsenen, die wollten, das Abendmahl. Nach drei Stunden Kirche verließen wir das Gebäude singend, bildeten draußen noch mal einen großen Kreis und der Pfarrer sagte ein paar letzte Worte. Außerdem wurden 3 Plastiktüten mit Gemüse versteigert, die zuvor als Spende an die Kirche gegeben wurden. Am Schluss wurde ein letztes Lied gesungen, jeder gab seinen Nachbarn die Hand und der Gottesdienst war beendet.

Nach Noelis Taufe

Auch wenn dieser Gottesdienst länger gedauert hatte, als die meisten in der katholischen Kirche, war er kurzweiliger, weil ich mehr verstand und die Stimmung familiärer und angenehmer war. Das war also wieder eine schöne Erfahrung!

Viele liebe Grüße,
eure Laura

Ein Gedanke zu „Taufe #2

  1. Süüß :)
    Herzlichen Glückwunsch an Noeli!
    Sehr schön geschrieben, man konnte sich alles gut vorstellen (Y)
    Safi sana Dada Laula <3

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