Ruanda

Kigali
Im Bus unterhielt ich mich mit dem Ruander vor mir, er sprach gutes Englisch und ein noch besseres Französisch und brachte mir ein paar Wörter und Floskeln auf Kinyarwanda bei. Murakoze heißt Danke und Hamakuru heißt Guten Morgen. In Ruanda spricht so gut wie jeder die Landessprache Kinyarwanda und einige Ruander sprechen sogar Französisch oder Englisch fließend. So ist es nicht so schwierig in Ruanda zurechtzukommen ohne die eigentliche Landessprache zu sprechen, wie es das in Tansania wäre. Der Herr mit dem ich mich auf Französisch unterhielt, wohnt in Kigali und half mir dort am Abend, als wir ankamen eine ruandische SIM-Karte zu kaufen und lud mich auf einen Kaffee ein, bevor ich von meinem Couchsurfing Host abgeholt wurde. Ich hatte mich dazu entschieden in der Zeit in Kigali Couchsurfing zu machen, also im Internet auf der Couchsurfing-Homepage nach einer netten Person zu suchen, die mich für die Zeit aufnehmen möchte. Und dieser Gastgeber holte mich nun mit dem Auto im Café ab. Er ist in Ruanda geboren, hat jedoch eine lange Zeit in Frankreich gelebt und spricht so fließend französisch und englisch und kann sogar auch ein bisschen deutsch und lebt nun in einem schickeren Viertel Kigalis in einem schönen Haus mit zwei Gästezimmern, wovon ich eins für mich bekam. Ich verstand mich sofort gut mit ihm und am Abend saßen wir noch mit seiner Freundin zusammen, aßen Abendbrot und tranken Wein. Danach fiel ich todmüde in mein neues Bett.
Am nächsten Tag musste ich Geld abheben und lief so ein wenig in der Gegend herum auf der Suche nach einem Geldautomaten. Irgendwann kam ein Moto (also ein Motorradtaxi – was es in Ruanda noch häufiger gibt und was noch üblicher ist als in Tansania) vorbei und ich bat den Fahrer, der nur Kinyarwanda sprach, mit Händen und Füßen mich zum nächsten ATM (also Geldautomat) zu bringen. Der meinte verstanden zu haben und fuhr los. Wir fuhren weiter als ich erwartet hatte (mein Host hatte eigentlich gesagt, es gäbe einen ATM in der Nähe) und stoppten vor einem kleinen Einkaufszentrum. Dort stand mit großen Buchstaben MTN Center. Der Fahrer hatte mich also falsch verstanden. Es machte mir jedoch nichts aus und in dem Center fand ich natürlich auch einen Geldautomaten. Was mich aber noch mehr überraschte, war die ‚German Butchery’, die es dort gab. Ein kleiner, aber sehr deutscher Supermarkt, in dem es ALLES gab, wovon ich in den Monaten zuvor nie zu träumen gewagt hatte. Von hipp-Babygläschen über VitaminC-Tabletten von ja!, Lindt Schokolade, sauren Gurken, Ü-Eiern, Nutella bis hin zu Gouda und Vollkornbrot. Und genau das ist es was ich mir dort kaufte und was meine folgenden Frühstücke zu einem reinen Genuss machten: Brot und Käse.
An dem Abend waren zwei ruandische Freunde meines Hosts, ein Belgier und der Umweltminister Ruandas zum Fußballschauen eingeladen. Paris Saint-Germain spielte gegen Chelsea und gewann heldenhaft und wurde von uns mit Champagner gefeiert.
Am nächsten Tag war ich mit zwei Mädels verabredet, von denen eine auch eine Couchsurfing Host ist, momentan aber niemanden aufnehmen kann. Wir trafen uns in einem netten Café in der Innenstadt und verbrachten ein paar Stunden zusammen. Danach wurde ich von Jules, einem der Freunde meines Hosts abgeholt, der mir noch ein paar andere Ecken der Stadt zeigte, mit dem ich in die ‚5D Experience’ des Kigalier Kinos ging, mit dem ich die ‚besten Samosas Ruandas’ aß und nachher ein Bierchen trinken ging. Mützig – das ruandische Bier. Für den Abend war ich mit den Mädels in einer Open-Air Karaokebar namens ‚Car Wash’ verabredet und danach ging ich noch mit Jules feiern.
Am nächsten Tag wollte ich eigentlich für eine Nacht nach Kibuye an den Lake Kivu im Westen Ruandas an der Grenze zum Kongo fahren, da ich aber erst spät aufwachte, verschob ich das auf einen Tag später und nahm mir für den Tag das Genocide Memorial Museum vor.
Dort im Museum ließ ich mir viel Zeit die Informationen zu studieren und die Bilder auf mich wirken zu lassen. Es war sehr bewegend und ich lernte und erfuhr viele Dinge, die ich vorher nicht wusste. Auf dem Außengelände des Museums wurden einige Vorbereitungen für den großen Gedenktag und die Feier getroffen, die Gräber wurden mit Blumen mit „Genocide – Never Again“-Bändern geschmückt und es wurden Banner mit dem aufgedruckten Motto: „kwibuka 20 – remember, unite, renew“ (also das ‚20. Mal Erinnern’ aufgehängt).
Als ich das Museum verließ war ich ziemlich traurig und voller Gedanken und ich wusste nicht wirklich was ich als nächstes machen sollte oder wollte. Am Abend schlief ich dann früh ein und wachte früh genug auf um nach einem Frühstückskäsebrot nach Kibuye zu fahren.

Kibuye
Nach Kibuye fuhr ich etwa 3 Stunden in einem kleinen, neuen Bus. Als ich ankam nahm ich mir ein Moto zu dem Guesthouse, das mir von verschiedenen Leuten empfohlen wurde. Es befindet sich auf einem der Hügel, der ein Ufer zum See hat und von dort oben aus hat man zu drei Seiten einen wunderschönen Ausblick auf den See. Ich fragte, ob noch Einzelzimmer für ca. 8 Euro frei sein und der Rezeption verneinte die Frage, meinte, es gäb nur Zimmer für 6€ und führte mich zu einem wunderschönen, kleinen Zimmerchen, das zwar keinen Blick auf den See hatte, aber super süß eingerichtet war. Mit einem liebevoll gemachten Bett, zwei kleinen Tischen mit weißen Tischdeckchen, einem Waschbecken und einem großen Fenster mit edlen Vorhängen. Auf einem der Tischchen lag eine Bibel, die dort wunderbar hinpasste. Ich konnte mir sofort vorstellen in diesem winzigen Zimmerchen länger zu verbringen und fühlte mich sehr wohl! Deswegen war es auch nicht schlimm, dass es anfing zu regnen und ich erstmal nicht weiter die Umgebung entdecken konnte. Nach dem Regen spazierte ich einen schönen Weg zurück in die Stadt um etwas essen zu gehen. Ich hatte schon vorher gehört, dass es typisch ruandisch ist zu einem Buffet zu gehen und ich hatte es vorher nie geschafft, also suchte ich mir ein kleines Restaurant, das ein Buffet anbot. Es war local food und somit sehr günstig und ich war froh ein ruandisches Buffet ausprobiert zu haben. Es gab Reis, Bohnen, Fleisch in einer Sauce, total überkochte Spaghetti, Süßkartoffeln und Avocado.
Am Abend wollte ich noch einmal runter zum See und fand nach einigen Anläufen, die in dichtem Dickicht endeten, einen kleinen, steilen Weg hinunter zum Ufer. Unten angekommen wagte ich mich über die glitschigen Steine ins Wasser und schwamm ein paar Runden in dem kühlen Wasser.
Später aß ich in dem Restaurant des GH und wurde von einem Bootsfahrer angesprochen, der Bootstouren zu den umliegenden Inseln (zum Beispiel der Peace Island, von der ich viel Gutes gehört hatte) organisiert. Ich buchte also eine Tour und sprach später noch drei Mädchen an, bei denen sich herausstellte, dass sie deutsche Freiwillige in Uganda sind, die kurzerhand auch zusagten am nächsten Morgen mit auf die Tour zu kommen.
Am nächsten Tag schlossen sich auch noch eine Niederländerin und ein Brasilianer an, sodass wir zu sechst die Fahrt zu der schönen Insel machten. Dort konnte man gut schwimmen und ein wenig die kleine Insel erkunden. Es war echt sehr ruhig und schön und als noch zwei andere Boote mit Touristen ankamen, waren wir schon fast wieder auf dem Rückweg.
Am Nachmittag fuhr ich dann mit dem Bus wieder zurück nach Kigali und ging schön essen, bevor ich wieder zurück zu meinem Host fuhr.

Kigali
Mein letzter Tag in Kigali war der 7. April und somit der 20. Gedenktag des Genozids in Ruanda. Es wurde ein ‚Walk to Remember’ vom Parlament bis zum Stadion organisiert und im Stadion folgte eine Gedenkfeier mit Gesängen und Reden. Es war natürlich super interessant dort dabei zu sein und ich war auch lange nicht die einzige Ausländerin in diesen Reihen, jedoch bestand der ganze Tag für mich hauptsächlich aus Warten (darauf, dass wir in die Stadt fuhren, darauf, dass wir zum Walk gingen, darauf, dass der Walk losging, darauf, dass wir ins Stadion kamen, darauf, dass die Veranstaltung losging) und die meisten Reden während der Feier waren auf Kinyarwanda, sodass ich davon nichts verstand. Mein Host und ich gingen auch relativ früh wieder und das interessanteste war, als er mir auf dem Heimweg erzählte, wie er diese Zeit damals erlebt hatte. Er ist nicht viel älter als ich und war somit zu der Zeit noch ein Kind, konnte sich aber an ein paar Sachen erinnern. Wir sprachen also noch ein wenig darüber und sahen uns am Abend im Fernsehen noch Diskussionen darüber an.
Am nächsten Tag verließ ich nachmittags wieder das schöne Land Ruanda (nachdem ich mir noch mal einen Käse für Tansania gekauft hatte 😉 ) und kam an der Grenze in Tansania in einer kleinen Pension unter, von wo ich am nächsten Morgen ganz früh weiter musste.

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