Ein Rückblick zur Halbzeit

Hallöchen da drüben im hohen Norden 😉

Seit dem 1. August 2013 bin ich jetzt in dem schönen Land Tansania, arbeite, reise und lebe hier jetzt also seit fast 8 Monaten. Insgesamt werde ich 13 Monate hier verbringen, was bedeutet, dass die Hälfte meiner Zeit vorbei ist. Am 14. Februar haben Kathrin und ich unsere Halbzeit mit einem netten Essen und einem Kuchen zusammen gefeiert.

Acht Monate sind eine lange Zeit, in der man viel unternehmen, erleben, lernen und erfahren kann, jedoch auch eine Zeit, die im Nu’ vergehen kann. Und so ist das, wer schon einmal eine längere Zeit im Ausland verbracht hat, kann mich sicherlich verstehen. Oft ist es egal, wie lang diese Zeit ist, die man an einem anfangs fremden, bzw. neuen Ort verbringt, immer vergeht die Zeit wie im Fluge und wenn man an die vielen Situationen zurück denkt, die man erlebt hat, kommt es einem vor wie eine Ewigkeit.

Ich versuche euch mal eine Zusammenfassung der letzten 7,5 Monate zu geben, die ich hier verbracht habe.

Mein Anfang hier war wunderbar, ich habe mich sofort wohl gefühlt in der Gesellschaft der vielen Kinder, habe sie schon bald jedes Wochenende vermisst und mich jedes Mal gefreut, sie wiederzusehen, wenn ich für eine Zeit nicht im Kinderdorf war.

In die Arbeit im Kindergarten musste ich mich erstmal einfinden. Ich hatte anfangs das Gefühl, kaum Ideen zu haben und nicht zu wissen, was ich mit den Kindern machen kann, was die Kinder können und auch machen dürfen oder was ich mit ihnen spielen kann, ohne dass ich dafür viel Sprache oder Erklärungen brauchte. Am Anfang kamen mir die Kinder gut zu Hilfe, sie waren sehr geduldig mit mir und freuten sich jeden Tag mich zu sehen, weil ich die spannende Neue war.

Dann kam nach etwa 3-4 Monaten, als ich in der Sprache schon etwas sicherer war, die Phase, in der die Kinder (vor allem die etwas größeren in meiner Gruppe) ihre Grenzen bei mir austesteten, alles Mögliche versuchten und ausprobierten um mich auf die Palme zu bringen und oft sehr frech waren. Das war sehr anstrengend! Oft fiel ich nach den (nur) 2 Stunden Kinderbeschäftigung erschöpft in mein Bett um mich für die Arbeit am Nachmittag zu erholen. Diese Zeit war aber auch die Zeit, in der ich bald jedes der 60 Kinder im Kinderdorf beim Namen kannte, viel mehr über sie wusste, die ‚Mamas’, die die Kinder in den Häusern betreuen, kennengelernt hatte und ich mich ganz gut ins Kinderdorf eingelebt und meine Stellung (irgendwo zwischen Mitarbeitern, Kindern und Chefs) herausgefunden hatte. Ich wusste, wen ich bei welchen Fragen oder Problemen anzusprechen hatte, führte hier und da schon mal einen kleinen Plausch mit meinen Kollegen und Kolleginnen und fühlte mich in dem Projekt bereits sehr wohl.
Außerhalb der Arbeit lebte ich mich parallel auch in der Stadt jedes Wochenende besser ein. Manche Orte, die ich nun ein paar Mal besucht hatte, wurden zu meinen Lieblingsplätzen, verschiedene Gerichte, die es in der Stadt zu kaufen gibt, wurden ausprobiert und wurden zu tansanischen Leibspeisen und die anderen deutschen Freiwilligen, ein paar Tansanier und einige andere nette Menschen in der Stadt wurden zu neuen Freunden. Ich fühlte mich immer wohler in der Stadt und es machte mir Spaß Zeit mit den vielen, lieben Menschen dort zu verbringen und jedes Wochenende neue kennenzulernen.

Auf die anstrengende Arbeitszeit im Kindergarten folgte eine Zeit, in der kaum ein normaler Arbeitstag zustande kam und darauf der Besuch meiner Familie, Weihnachten, Silvester und das Zwischenseminar auf Sansibar. Erst als ich Mitte Januar zurück ins Kinderdorf kam, konnte ich meine normale Arbeit weiterführen – und das mit nur noch halb so vielen Kindern, weil die Großen nicht mehr in meiner Gruppe sind. Von da an ist die Kindergarten-Arbeit um einiges einfacher geworden. Jetzt habe ich teilweise nur 4 bis 5 Kinder in meiner Gruppe, alle drei Jahre alt oder jünger. Auch diese Kinder sind oft sehr frech, aber ich kann damit in der Regel viel besser umgehen. Zum einen, weil ich jetzt mehr Zeit für jedes einzelne Kind habe, zum anderen weil ich die Kinder besser kenne und jetzt ein bisschen besser weiß mit Streitereien umzugehen. Ich hatte die letzte Zeit oft Streitigkeiten mit Kindern aus meiner Gruppe, die mich auch teilweise gestresst haben, aber trotzdem fühlte ich mich in diesen Situationen sicherer und stärker als noch vor einigen Monaten. Außerdem habe ich es jetzt endlich geschafft, eine Struktur in den Kindergartentag zu bringen, woran die Kinder sich orientieren können. Das macht jeden Tag entspannter und lässt mich mich im Allgemeinen sicherer fühlen.

Gerade die letzten Tage habe ich jedoch gemerkt, dass ich den Kindern zurzeit kaum etwas entgegensetzen kann, dass ich nicht ausgeglichen genug bin um den Kindern konsequent und gerecht zu begegnen. Somit eskalieren Situationen durch einen Teufelskreis an Aktionen und Reaktionen, die sich aneinanderreihen und aus dem es schwer ist, auszubrechen. Dieses Wochenende habe ich mich mal wieder gut ausruhen und Abstand gewinnen können, was wahrscheinlich sehr wichtig ist. Außerdem werde ich demnächst eine Reise planen, um ein paar Tage rauszukommen und später mit mehr Elan und neuer Kraft wieder in die Arbeit zu starten.

Ansonsten geht es mir gut! Es gab vor ein paar Wochen hier bei einigen deutschen Freiwilligen Probleme mit der Arbeitserlaubnis, was uns alle eine Zeit lang ziemlich betrübt hat, weil es nicht klar war, wie es mit den Arbeitsstellen und somit auch mit dem Freiwilligendienst mancher Freiwilliger weiter geht, aber das hat sich glücklicherweise jetzt alles einigermaßen geklärt, manche Freiwilligen können ihre normale Arbeit fortsetzen, andere haben den Arbeitsplatz gewechselt, aber es musste zum Glück niemand ausreisen oder aus Iringa weg.

Ich sende euch allen viele liebe Grüße und hoffe ich kann euch demnächst von einem Urlaub berichten 😉
Eure Laura

Auf Wiedersehen, Christoph

Dieses Wochenende ist das letzte Wochenende, das Kathrin und ich mit unserem lieben Mitfreiwilligen und guten neugewonnenen Freund Christoph verbringen…

Das sind Kathrin, Chistoph und ich

Er hatte seinen Freiwilligendienst um ein halbes Jahr verlängert, das jetzt vorbei ist. Es war eine schöne Zeit hier mit ihm und er wird uns und den Kindern fehlen!

Das bedeutet also auch, dass ich jetzt schon über ein halbes Jahr hier in Tansania lebe und im Kinderdorf arbeite. Das ging soo schnell rum, das kann man gar nicht glauben! Nächstes Wochenende haben wir Halbzeit (weil wir ja insgesamt 13 Monate hier sind), danach geht wahrscheinlich alles nochmal schneller!

Ich wünsche Christoph Alles Gute für seine nächsten Pläne, einen tollen Start zurück in Deutschland und uns noch eine wunderschöne Zeit! :)

Ganz liebe Grüße aus der tansanischen Regenzeit,
Laura

Neues Kind #4

Nach Isaya, Jenny und Julius kam gestern wieder ein neues Kind zu uns ins Kinderdorf. Er heißt Ibrahim und ist mit seinen drei Monaten größer als der jetzt achtmonatige Isaya. Er sieht sehr gesund aus! Ich habe gestern und heute schon sehr viel Zeit mit ihm verbracht, ihn mehrmals gefüttert, auf dem Arm beruhigt und ihn in den Schlaf gesungen. Es ist ein sehr hübsches Baby und ich bin mir sicher, ihm wird es hier sehr gut gehen! Karibu sana kwetu, Ibrahim! :)

Neues Jahr

Ein neues Schuljahr fängt an und so gibt es auch bei meiner Arbeit im Kinderdorf einige Veränderungen. Dadurch, dass unsere 4 ältesten Kindergartenkinder in die erste Klasse gekommen sind, sind meine Größten in die große Kindergartengruppe aufgerückt. Mir bleiben also die Allerkleinsten: Harriet, Arnold, Savio (alle 2), dann Mwaka und Anna (beide ca. anderthalb) und dann die Knirpse Consolata und Jenny, die jetzt auch schon fester Bestandteil der Gruppe und jeden Tag dabei sind. Jenny kann gerade laufen und Conso übt sich auch schon ab und zu darin.

Somit fällt für mich die Schwierigkeit weg, sowohl die großen Coolen, als auch die kleinen Krabbler und Quatscher in einer Gruppe zu beschäftigen. Dafür ergeben sich neue Herausforderungen, was zum Beispiel das Windelnwechseln mit einschließt. Außerdem werde ich mir für die Kleinen jetzt noch mal ganz neue Spiele und Aktionen überlegen, weil viele zu klein für etwas wie Memory sind oder Angst vor den Schweinen haben. Das klappt bis jetzt jedoch alles sehr gut, die Kinder hören auch einigermaßen auf mich und haben sich langsam an die Struktur gewöhnt, die ich versuche ihnen zu geben.

Das bedeutet wir fangen morgens erstmal mit singen, toben, hüpfen, klatschen oder tanzen an, setzen uns dazu meist in einen Kreis und üben oft gleichzeitig zählen. Danach spielen wir frei. Das heißt, dass ich Spielzeug, Handpuppen oder Malsachen mitbringe und sie spielen lasse, was sie wollen. Manchmal nehme ich Bilderbücher mit und lese ihnen vor oder zeige ihnen die Bilder und lasse sie erklären, was sie darauf sehen. Oder wir gehen draußen spielen oder besuchen die Tiere, was mit den kleinen Kindern noch mal viel länger dauert, als mit den größeren vorher, weil allein der Weg dorthin dann so lang wird. 😉 Am Ende räumen wir alle zusammen auf und singen noch ein Abschlusslied, bevor die Kinder gehen.

Mir macht der Kindergarten nach wie vor sehr viel Spaß, ich verstehe mich sehr gut mit den Kindern, was aber nicht ausschließt, dass sie auch mal vor der Tür im Time-out sitzen, wenn sie frech waren oder sich nicht entschuldigen. Manchmal ist es jedoch etwas chaotisch mit den Kleinen, wenn viele Kinder einfach kommen und gehen, wie sie wollen.

Was sich natürlich durch ein neues Schuljahr auch ändert, ist die Englisch-Nachhilfe für die zweite Klasse, die ich jeden Morgen mache. In der neuen Zweiten sind jetzt statt fünf nur noch zwei unserer Kinder. Dadurch, dass in der ersten Klasse noch nicht wirklich Englisch unterrichtet wird und die beiden somit nur ein paar wenige Vokabeln und gar keine Grammatik kennen, fange ich mit ihnen jetzt bei Null an. Die ersten Stunden mit ihnen haben mir schon sehr viel Spaß gemacht, ich habe mir verschiedene Methoden überlegt und Materialien gebastelt und hoffe, dass wir drei gut zusammen arbeiten können. Im Moment habe ich da ein sehr, sehr gutes Gefühl! Es macht ihnen Spaß, sie kommen gut voran und verstehen sich untereinander auch sehr gut. Besser kann es nicht sein!

Das wars erstmal wieder von mir, liebe Grüße nach Deutschland,
eure Laura

Julius

Am 25. Dezember 2013 um 10 Uhr morgens ist unser jüngstes und neuestes Kind Julius gestorben. Er wurde 25 Tage alt und ist 2 Tage vor seinem Tod mit hohem Fieber ins Krankenhaus gekommen. Was genau er hatte, weiß ich nicht.

Wir haben von dem Unglück erfahren als wir mit allen Kindern, die dieses Jahr nicht über die Ferien zu ihren Verwandten gefahren sind, zum Weihnachtsgottesdienst in der Kirche waren. Bevor der Gottesdienst angefangen hatte, kam eine Mutter aus dem Kinderdorf zu mir um mir davon zu berichten. Etwa eine Stunde später verließen wir (einige Angestellte des Kinderdorfes, unter anderem die Mutter, die sich hauptsächlich um Julius gekümmert hatte und auch mit im Krankenhaus war, Kathrin, meine Mutter und ich) den Gottesdienst früher um zusammen mit dem Vater und der Tante des Kindes den Leichnam zu den Familienangehörigen zu bringen und gemeinsam mit ihnen das Kind zu beerdigen.

An diesem Tag war ich natürlich besonders froh, meine Mutter und Kathrin als unterstützende Kraft dabei zu haben und mit ihnen und auch mit den anderen diese Trauer teilen zu können. So viel geweint wie an diesem Tag habe ich echt schon lange nicht mehr! Es ist wirklich etwas schreckliches, wenn Kinder sterben!

Ansonsten hatten wir davor einen schönen Heiligabend, davor eine spannende Safari in Familie (zusammen mit einem anderem Freiwilligen und seiner Freundin) und auch danach haben wir nette Tage verbracht. Auch wenn der noch kaum verarbeitete Schock immer noch tief in unseren Knochen sitzt.

Ich hoffe doch sehr, ihr habt alle ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest verbracht und die Ruhe und den Frieden der Weihnachtszeit sehr genossen!
Jetzt wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2014 und hoffe, dass alle eure Wünsche fürs neue Jahr in Erfüllung gehen!

Liebe Grüße,
eure Laura

Bunter Einblick in die Adventszeit Tansanias

Meine lieben, lieben Leute im fernen Winter-Deutschland,

jetzt ist schon der vierte Monat vorbei und Weihnachten, Silvester und viele nette Events kommen näher! Hier fängt langsam und viel zu spät die Regenzeit an, es hat im Kinderdorf erst zweimal richtig geschüttet, bald wird das jeden Tag zweimal sein. Trotz fehlender Weihnachts- und Winterstimmung fangen wir langsam an Weihnachtsmusik zu hören (gerade ‚Do They Know It’s Christmas‘ passt wunderbar – „And there won’t be snow in Africa this Christmas time…“), haben letzte Woche Stunden damit verbracht Weihnachtsplätzchen zu backen und haben diese zusammen mit einigen unserer Farmprodukte (Pilze, Popcorn, Hibiscus-Tee, Brot und Honig) heute den ganzen Tag auf dem Iringaer „Weihnachtsmarkt“ verkauft. Das war sehr anstregend, aber echt schön! Bald wird ja meine liebe Familie ankommen, die ich in Dar Es Salaam abhole und mit der ich Weihnachten verbringen werde.

Zwei schöne Neuigkeiten aus dem Kinderdorf:
Erstens: Unser neues Kind Jenny, die jetzt seit etwa einem Monat hier ist (es ist immer noch nicht sicher, ob sie bleibt oder nicht), kann jetzt laufen!! Sie tapst immer ein Paar Schritte und manchmal sogar echt weit und irgendwann fällt sie dann hin. Es ist sehr lustig, weil sie zum Beispiel viel größer und schwerer ist, als ein anderes Kind bei uns, das aber schon längst laufen kann.. Dann ist es manchmal echt süß, wenn das kleinere Kind Jenny versucht festzuhalten, wenn sie läuft oder wenn Jenny sich an dem kleinen Mädchen abstützen will und sie damit einfach komplett umschubst.
Zweitens: Wir haben seit Montag noch ein neues Baby im Kinderdorf (damit kamen jetzt in unseren ersten 4 Monaten hier DREI neue Kinder zu uns), was jetzt eine Woche alt ist und mit 2 Tagen zu uns kam! Es ist soooo winzig klein dieses Kind, aber ich durfte es schon mal füttern und gehe es immer mal besuchen um es auf den Arm zu nehmen, das ist echt niedlich!

Ja, im Grunde geht es mir echt gut! Jetzt fangen hier die Schulferien an, was für mich bedeutet, dass die Arbeit im Kinderdorf erstmal etwas anders wird, die Kinder, die eigentlich in der Schule wären, haben jetzt einen zehntägigen Musik- und Tanzworkshop, bei dem wir Freiwilligen teilweise mithelfen sollen und generell werden es erstmal mehr Kinder sein, die tagsüber zu betreuen sind.
Die letzte Woche war arbeitstechnisch auch schon außergewöhnlich, weil ich oft in die Stadt musste, um Sachen für den Adventsmarkt vorzubereiten und wenn ich mal im Kinderdorf war und Kindergarten gemacht habe, waren es immer besonders viele Kinder, die in meiner Gruppe waren! Von den anfänglichen süßen 3 bis 5 Kinder, die in meinen ersten Wochen hier in meiner Gruppe waren, ist nicht mehr so viel zu sehen und diese Woche hatte ich teilweise 13 Kinder, die in meinem Kindergartenraum waren und alle abwechselnd geschrien haben. Alle aus unterschiedlichen Gründen, vor Freude, Ärgernis, Eifersucht – gibt’s alles. Es war einfach die ganze Zeit laut! Aber ich denke, das ist bei Kindern so.. 😀

Ja, das war wieder mal ein kleiner Einblick in das Leben hier, bei Fragen bitte melden :)

Liebste nicht sehr weihnachliche Grüße aus Far far away,
eure Laura

Ein bisschen Alltag

Hallo ihr Lieben,

ich habe schon wieder länger nicht geschrieben, was hauptsächlich daran liegt, dass nicht so viele völlig neue und besondere Sachen in der letzten Zeit passiert sind. Aber bevor ich erst im Dezember wieder über Weihnachten berichte, erzähle ich euch halt ein wenig, wie das Leben hier so ist, wenn man keine spannenden Reisen macht, oder keine riesigen Sachen passieren. Es ist natürlich trotzdem immer was los und viel zu tun – langweilig ist es wirklich nicht!

Zum Beispiel haben wir schon wieder ein neues Kind, Jenny, ca. 2 Jahre. Es ist noch nicht sicher, ob sie jetzt komplett bleibt, aber seit 2 Wochen ist sie erstmal hier. Sie wurde ihr ganzes Leben in einem Tuch auf dem Rücken getragen und hat noch nicht laufen gelernt. Durch diese Wochen üben, üben, üben hier im Kinderdorf schafft sie es aber schon ganz gut. An der Hand oder an der Wand ist gar kein Problem mehr und ohne festhalten aufstehen kann sie auch schon. Sie ist ein sehr hübsches und fröhliches Kind, kommt immer auf mich zugekrabbelt, wenn ich komme und lacht mich an. Unsere kleine Consolata (siehe Foto in der Galerie) krabbelt jetzt auch schon prima und läuft etwas wacklig an der Hand. Diese zwei Kleinen sind jetzt ab und zu bei meinem Kindergarten dabei, dann lege ich ihnen Papier auf den Boden und sie hauen ein bisschen mit einem Buntstift darauf rum oder stecken sich die Memorykarten in den Mund. 😀
In meinen Kindergarten kommen seit einigen Wochen auch ein oder zwei Kinder aus dem benachbarten Dorf, die aber teilweise kein Kiswahili sondern nur Kihehe sprechen. Das ist dann ein wenig schwierig, aber ich habe das Gefühl, es wird besser und besser! Eine Situation war aber lustig, als der kleine Amani zu mir sagte: „Blablablablablabla tunda“ (also, den Rest habe ich nicht verstanden) und ich dachte, er möchte Obst (= tunda auf Kiswahili). Dabei hat mir eine Mama dann gesagt, dass er mich auf Kihehe gefragt hatte, ob er aufs Klo gehen kann… Naja, Kihehe kann ich nicht auch noch lernen, außer vielleicht die Begrüßungen ein wenig. Mit diesen Kindern habe ich dann manchmal bis zu 10 Kiddies morgens in meiner Gruppe. Oft lasse ich sie jetzt frei spielen und gehe dann danach mit ihnen zu den Tieren. Zum Abschluss singen wir zusammen. Es ist furchtbar anstrengend mit den Kindern und oft falle ich nachmittags erschöpft ins Bett, aber ich liebe diese Kinder sehr und es kann sein, dass sie langsam besser und besser auf mich hören!

Die letzte Woche haben Kathrin und ich damit verbracht Patenbriefe zu schreiben, bzw. schreiben zu lassen. Das bedeutet, dass wir uns jeden Tag eine handvoll Kinder genommen haben, ihnen liniertes Papier gegeben haben und sie schreiben und malen haben lassen. Danach mussten wir alle Briefe auf deutsch übersetzen und noch mal rein schreiben. Mit den Kleinsten haben wir uns hingesetzt und haben sie ein bisschen erzählen lassen, um dann direkt einen deutschen Brief daraus zu machen. Das war sehr viel Arbeit, aber wir sind in der letzten Woche auch sehr weit gekommen! Diese Briefe werden im Dezember dann von unserem Kinderdorfdirektor mit nach Deutschland genommen und von dort aus verschickt.

In der letzten Woche hatten wir im Kinderdorf für ein paar Tage kein fließendes Wasser. Bei so etwas merkt man erst wofür man eigentlich alles Wasser braucht und was ohne Wasser eindeutig schwieriger ist (Wäsche waschen, Geschirr spülen, Blumen gießen, Zähne putzen, Hände waschen, duschen, etc.). Selbst die Toilette braucht Wasser und normalerweise trinken wir das Leitungswasser hier im Kinderdorf. Und dann kam ich in die Stadt und da gab es zwar Wasser aber keinen Strom. Und natürlich geht gerade dann mein Handy aus und mein Laptop hat nicht genug Akku, dass ich ins Internet kann. Das war aber glücklicherweise nur für ein paar Stunden (in denen ich genug anderes zu tun hatte), und auch im Kinderdorf gibt es jetzt wieder Wasser.

Am Samstag gab es eine International Night an der International School in Iringa (eine kleine private Schule, an der hauptsächlich amerikanische und europäische Lehrer unterrichten und wo so ziemlich alle Ausländer, reichere Tansanier und gemischte Familien in Iringa ihre Kinder zwischen 4 und 18 Jahren hinschicken). Das ist ein großes Fest, was einmal im Jahr in dieser Schule stattfindet. Mit Essen aus alles Kontinenten und internationalem Programm. Dort finden sich alle Expats Iringas zusammen und es ist eine gute Chance neue Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen oder Menschen wiederzutreffen, die man mal irgendwo getroffen hat. Ich war dort mit einigen Mamas, dem Direktor und 20 Kindern aus unserem Kinderdorf. Gerade für die Kinder war das natürlich etwas total Außergewöhnliches, mit den vielen internationalen Kindern zu spielen und soviel Essen probieren zu können (obwohl ich einmal ein Mädchen aus unserem Kinderdorf mit einem Teller voller europäischem Essen fragte, ob es denn lecker sei und sie antwortete, dass es ihr alles nicht schmecke, dann habe ich sie von dem Essen erlöst und sie ist an den afrikanischen Stand gegangen). Für mich war es auf jeden Fall ein sehr, sehr schöner Abend mit vielen Freunden, der um halb 11 mit einer Kinder- (und Freiwilligen 😉 )Disko einen schönen Ausklang fand.

Ich bin jetzt schon über 3 Monate hier und es ist so unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt. In einem Monat kommt mich meine liebe Familie besuchen. In der Zeit ist dann Weihnachten, Silvester, ganz viel Urlaub und mein Zwischenseminar auf Zanzibar. Danach ist hier im Kinderdorf der Vorstand und ganz viel anderer Besuch aus Deutschland da. Die bleiben bis Februar und dann fährt auch Christoph. Ich glaube bis März wird jetzt alles rasen und dann ist schon über die Hälfte rum! Naja, ich werde berichten (sofern ich Zeit dazu finde).

Für jetzt viele liebe Grüße und Umarmungen!

Eure Laura

 

 

 

Deutscher Kindergeburtstag

Guten Morgen, Welt!

Es ist viertel vor 7 Uhr morgens und ich bin ausgeschlafen. Gestern bin ich schon um 20 Uhr erschöpft eingeschlafen, und habe jetzt trotz einer wachen Stunde in der Nacht zehn Stunden geschlafen.

Gestern war ich auf dem ersten Geburtstag eines deutsch-tansanischen Mädchens in einem kleinen Dorf ganz in der Nähe von Iringa (aber Richtung Mbeya). Sie ist die Tochter von der Deutschen, die mit uns unsere Safari geplant und von dem Tansanier, der diese mit uns durchgeführt hat. Sie haben in Isimila eine wunderschöne, kleine Lodge, wo ich mit ein paar anderen Freiwilligen am Samstag um 15Uhr hinfuhr um deutsch zu essen und Geburtstag zu feiern. Wir hatten einen Kuchen mitgebracht und es gab dort, als wir ankamen, noch andere süße Leckereien zu Kaffee und Tee. Etwas später wurde der Grill angeschmissen und wir grillten unser selbst mitgebrachtes Fleisch und aßen dazu leckere Salate und Brote. Ein ganz normales, deutsches Grillen also.
Selbst die Gespräche auf dem Fest waren fast ausschließlich auf Deutsch. Außer uns waren noch ein paar andere deutsche Freiwillige da, sowie die beiden großen Geschwister, die Eltern und die Großeltern von dem Geburtstagskind und noch drei andere deutsch-tansanische Familien (bzw. eine deutsch-nigerianisch-schweizerische Familie). Alle Kinder wurden deutsch erzogen und alle Partner sprachen bis auf einen, auch fließendes und akzentfreies Deutsch. Es wurden Geschichten erzählt, Menschen vorgestellt, Kinder beschäftigt und leckeres Essen gegrillt (bzw. gebraten wie man im Osten sagt 😛 ). Abends wurden wir von einer Familie mit dem Auto mit zurück nach Iringa genommen, wo ich sofort einschlief.
Es war interessant zu sehen, dass es hier so eine zusammengeschweißte Gemeinschaft zwischen den verschiedenen deutschen Familien gibt und zu hören, aus welchen Gründen die verschiedenen Familien in Tansania wohnen, wie lange schon und wie die Kinder damit umgehen. Die Schulkinder dieser Familien gehen in Iringa auf die International School, eine teure Privatschule, die amerikanisch aufgebaut ist und in der der Unterricht schon ab der ersten Klasse auf Englisch ist. Kiswahili lernen diese Kinder dann meistens als Fremdsprache nebenbei und natürlich im Umgang mit Nachbarskindern oder in der Stadt.
Was für mich auch ganz spannend war, war dass bei genau der einen Hälfte der vier gemischten Familien der Vater und bei der anderen Hälfte die Mutter deutsch war. Man kann hier also nicht sagen, dass es (wie zum Beispiel in Thailand) fast ausschließlich europäische Männer gibt, die eine tansanische Frau heiraten, sondern es ist relativ ausgewogen.

Das war jetzt also mal ein bisschen Deutschland mitten in Tansania.

Viele liebe Grüße,
Laura

Safari njema!

Der Titel heißt so viel wie ‚Gute Reise’ und man wünscht dies oft und jedem, der in den Urlaub fährt oder auch nur eine etwas längere Fahrt vor sich hat. Es kann aber genauso gut etwas wie ‚Tolle Safari’ heißen, was ich gerade hinter mir habe.

Nach einer recht unnormalen Woche, die ich hauptsächlich mit den verschiedensten Leuten oder mir selbst im Krankenhaus oder beim Arzt verbracht hatte, und in der kein normaler Arbeitstag zustande kam, weil immer etwas dazwischen kam, bin ich also mit Kathrin und neun anderen deutschen Freiwilligen aus Iringa und Umgebung auf unseren lange geplanten Wochenendtrip gefahren.

Um 7 Uhr morgens wurden Kathrin und ich von den zwei Safariwagen an unserer Straße aufgegabelt und es ging los zum Mikumi National Park (Richtung Dar Es Salaam). Um etwa 11 Uhr kamen wir am Gate an und nachdem wir in unserer Unterkunft eingecheckt und den Parkeintritt bezahlt hatten, fuhren wir los.

In unsere Autos passten sieben und neun Leute und man konnte das Dach aufmachen und sich hinten auf das Auto setzen, um gut zu sehen. Die nächsten 6 Stunden verbrachten wir also damit, verschiedene Wege im Park abzufahren, nach Tieren zu suchen und zu versuchen, möglichst nah an diese heranzukommen. Wir sahen Giraffen und Elefanten, in Gruppen, alleine, ganz nah und am Horizont, Warzenschweine, Affen, Büffel, Zebras, Antilopen, Gnus, Nilpferdrücken, Geier und andere große Vögel und ein Krokodil.

Unser großes Ziel war es, einen Löwen zu sehen und als sich unsere Guides einmal mit denen aus einem anderen Wagen austauschten, bekamen wir einen Ort empfohlen, zu dem wir dann rasten. Dort angekommen sahen wir etwas von uns entfernt zuerst nur ein totes Zebra, doch als wir mit einem Fernglas genauer hinschauten, konnten wir in einem Busch im Schatten eine hechelnde Löwin erkennen. Wir warteten dort eine längere Zeit und irgendwann konnten wir sehen, wie die Löwin aufstand und sich etwas weiter entfernt in den Schatten eines Baumes legte. Sie war also kurz noch mal besser zu erkennen.

Am Abend fuhren wir noch zu einer hübschen und teuren Bar im Park und ich bestellte mir ein Safari (eine sehr bekannte Biermarke hier), weil ich das so lustig fand! Zum Abendessen gab es sehr lecker westlich gewürztes Essen in unserer Unterkunft und danach fielen alle um kurz nach neun nach einer Dusche erschöpft in ihre Betten.

Am Samstag ging es früh um halb 7 mit dem Frühstück weiter. Es war Kathrins Geburtstag und wir wollten noch eine Morgenpirschfahrt machen, bevor wir aus dem Park raus mussten. Das stellte sich am Ende als eine sehr gute Idee raus, weil wir noch einmal die Chance hatten, einige Tiere von ganz Nahem zu sehen und als Krönung sogar noch eine Gruppe von drei Löwinnen unter einem Baum aus etwa drei Metern Entfernung beobachten konnten. Wäre einer von uns vom Auto gefallen, wäre es sehr gefährlich für uns geworden. So erkannten die Löwen uns jedoch nicht als einzelne Lebewesen (und somit als potenzielles Futter), sondern sie sahen uns als Teil vom Auto, was uns Sicherheit gab. Es war jedoch sehr spannend, den Löwen so nah zu sein und zu wissen, dass sie nur einen Sprung machen müssten und sie wären bei uns auf dem Auto. Zum Glück waren sie aber sehr friedlich und ließen sich von uns betrachten und fotografieren. Was viele nicht wissen ist, dass Löwen gar nicht die gefährlichsten Tiere für Menschen in einem Nationalpark sind. An erster Stelle stehen Nilpferde und an zweiter Büffel, erst dann kommt der Löwe.

Nach etwa einer Stunde im morgendlichen Mikumi National Park fuhren wir weiter um im Urwald des Udzungwa Mountains National Park auf einen Berg zu wandern. Die Wanderung war sehr anstrengend und man konnte sich in den etwa drei bis vier Stunden Aufstieg kaum auf die Umgebung konzentrieren. Nur ab und zu machten wir Pausen um uns besondere Bäume anzuschauen. 90% der Bäume in diesem Park seien für Medizin nutzbar, erzählte unser Guide und zeigte uns die verschiedensten Bäume und erklärte deren Wirkung.

Oben angekommen wartete unsere Belohnung: ein kalter Naturpool am Fuße (und zugleich an der oberen Spitze) eines großen Wasserfalles, in den wir uns erschöpft wie wir waren sofort hinein schmissen um die kalte Erfrischung zu genießen. Nach einer langen Pause, unter anderem noch an einer anderen Stelle mit einem traumhaften Ausblick über die endlose Weite, die dort fast ausschließlich mit Zuckerrohr bepflanzt ist, fiel uns allen der Abstieg natürlich viel leichter.

Am Abend feierten wir ein wenig Kathrins Geburtstag. Wir schauten Fußball, spielten Karten und sangen, bevor wir ins Bett gingen. Zwar waren wir alle echt müde, aber es war noch zu warm auf den Zimmern und wir hofften, dass die laute Musik mit dem viel zu hohen Bass direkt neben unseren Zimmern um Mitternacht aufhörte. Außerdem wollten wir einen schönen Ausklang von dem äußerst gelungenen Wochenende mit den netten Leuten genießen, bevor es am nächsten Tag wieder zurück ins Kinderdorf ging.

Dieses Wochenende war auf jeden Fall nichts anderes als eine ‚Safari njema’ mit tollen Leuten! Gerne wieder!

Viele Grüße aus dem schönen Tanzania,
Laura

Meine Taufe

Gerade eben, am 28.10.2013 wurde ich getauft. Ich gehöre jetzt der tansanischen Roman-Catholic Church an und Mama Joshua (eine Hausmama in unserem Kinderdorf) ist meine Taufpatin.

Das hört sich ein wenig wie ein Scherz an, das hätte ich gestern vielleicht auch nicht geglaubt, aber es ist wahr. Heute morgen kam unsere Matron Mama auf mich zu, die vor ein paar Wochen ganz geschockt reagiert hat, als sie erfahren hat, dass ich nicht getauft bin, erzählte mir, dass heute ca. 7 unserer Kinder getauft würden und dass ich doch auch gleich mitgetauft werden könnte. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, bei einer tansanischen Taufe als Täufling dabei zu sein. Als wir das mit dem Pfarrer besprochen hatten, war die Sache geklärt.

Das Ganze fand in unserem Kinderdorf statt und zusätzlich zu unseren Kindern und mir wurden noch etwa 20 Kinder aus dem Dorf von ihren Müttern oder Eltern hergebracht um getauft zu werden. Außerdem waren einige Familienangehörige gekommen, sogar die ein oder andere Oma und ein bis zwei Väter unserer Kinder hier. Die ganze Gesellschaft war schick angezogen und herausgeputzt, die Kinder trugen ihre besten Kleider und die Frauen und Männer im Kirchenchor hatten wieder ihre pinken Gewänder an.

Zuallererst wurde der Pfarrer singend und klatschend freudig von unseren Kindern im Kinderdorf begrüßt und so füllte sich dann nach und nach der Platz und als der Kirchenchor singend und unsere Matron Mama und noch ein Paar andere mit dem Kreuz angekommen waren, fingen wir an. Alle Zutaufenden sollten sich in einem Halbkreis aufstellen (da viele sehr kleine Kinder dabei waren, waren sie oft auf dem Arm der Mutter oder des Taufpaten) und jeder bekam einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem der Taufname stand. Dann ging der Pfarrer die Reihe entlang, um jedem Kind mit dem Daumen ein Kreuz auf die Stirn zu malen, was daraufhin die Taufpaten wiederholten. Als nächstes wurde jedem Kind von dem Pfarrer mit etwas Fett ein Kreuz auf die Brust gemalt, bevor dann die Taufe mit dem gesegneten Wasser begann. Die ganze Messe wurde begleitet von Gebeten, Gesängen und teilweise dem Geschrei der nassen Kinder und dauerte in etwa 2 Stunden. Danach waren wir alle Watoto wa Mungu, also Kinder Gottes, ich durfte mein erstes offizielles Abendmahl einnehmen und es gab reichlich zu essen für alle Gäste.

Es war interessant, wie sich die Menschen über meine Taufe freuten. Ich wurde von vielen Seiten beglückwünscht, unsere Matron Mama meinte, es sei ein großer Tag für mich und ich glaube auch der Pfarrer freute sich eine Mzungu taufen zu dürfen.

Ich bin jetzt also getaufte Katholikin und bin mal sehr gespannt, wie das mein Leben verändern wird! Fotos gibt es auch bald, viele haben meinen großen Tag dokumentiert.

Mungu awabarikie,
eure Laula