Fahrt nach Ruanda

Mein eigentliches Ziel meiner Reise war es ein paar Tage in Ruanda zu verbringen. Ich wollte gerne ein anderes afrikanisches Land kennenlernen, ein wenig in die ruandische Kultur reinschnuppern und auch einiges über den Genozid erfahren, der 1994 in dem kleinen Land viel Schaden anrichtete.

Meine Reise nach Kigali, der ruandischen Hauptstadt ging sehr früh morgens los. Um 4 Uhr musste ich am Busbahnhof sein um ein Ticket für den Bus zu kaufen, der um 5 Uhr losfuhr und mich in die Nähe der ruandischen Grenze bringen sollte. Auf meiner Reise lernte ich zwei tansanische Mädchen (16 und 21) kennen, die sich untereinander auch zum ersten Mal sahen, die aber beide gerade einen schwierigen Job als Hausmädchen hinter sich hatten. Beide erzählten von Schlägen und sehr schlechter Behandlung und waren froh den Job erstmal hinter sich zu lassen. Die Jüngere war in dem Bus auf dem Weg zurück zu ihrer Familie um sich erstmal wieder zu erholen, bevor sie sich einen neuen Job suchte und die Ältere war auf dem Weg in eine neue Stadt um dort noch mal ihr Glück zu versuchen. Andererseits habe sie jedoch auch Angst vor einer neuen Arbeitsstelle, weil man nie weiß, ob es nicht noch schlimmer kommt. Vor allem habe sie Angst missbraucht zu werden. Die beiden Mädchen sprachen auch darüber wie viel Geld sie bekamen und bei beiden reichte das Geld gerade mal für das Busticket und etwas zu essen auf der Fahrt. Ich fühlte mich inmitten dieser Mädchen ein wenig unwohl, weil ich, obwohl ich ungefähr im gleichen Alter bin, auf ein ganz anderes Leben zurückblicken kann und auch eine ganz andere Zukunft und andere Chancen im Leben sicher habe als diese beiden Mädchen. Ich habe die Chance ein Jahr in einem anderen Land zu leben, reisen zu dürfen, mir aussuchen zu können, was ich später arbeiten möchte, ob ich studieren möchte, ich muss keine Angst haben, dass ich eines Tages nicht genug Geld haben werde, mir Essen zu kaufen, ich werde nicht geschlagen und nicht misshandelt – ich habe Sicherheit. Und die haben diese Mädchen nicht. Das hat mich sehr traurig gemacht.

Als dann das ältere Mädchen mir während der Fahrt einen Zettel schrieb, auf dem stand, sie wolle gerne noch ein paar Stationen weiter mit dem Bus fahren als geplant, weil sie in dieser Stadt mehr Chancen haben könnte, Arbeit zu finden, zögerte ich nicht lange und bezahlte ihr den Rest der Strecke. Es kostete nicht viel, nur etwa 2,50€, aber das ist in einem Land wie Tansania viel Geld. Nicht nur für die Tansanier, auch für mich. Deswegen konnte ich auch dem anderen Mädchen nicht noch helfen, als sie nach Geld fragte. Dass ich der Älteren Geld gab, war freundschaftlich gemeint und war eine Ausnahme. Ich wollte aber unter keinen Umständen die sein, die jedem Geld schenkt und dadurch das Bild unterstützen, dass die reichen Weißen schon Geld geben, wenn man danach fragt. Ich finde es schade, dass die Hautfarbe hier oft mit finanziellem Reichtum zusammengebracht wird und dass viele nicht verstehen, dass es auch einige europäische Menschen gibt, die nicht so viel Geld haben.

Die Busreise endete in Benako, einer kleinen Stadt ganz im Nordwesten von Tansania und dort wurden wir, die nach Ruanda fuhren, in Taxis geschoben und gequetscht, die uns zur Grenze brachten. Ein Kongolese, der sich dort an der Grenze gut auskannte, weil er oft zwischen Tansania und der DRC pendelte, nahm mich unter seine Fittiche und half mir bei allen organisatorischen Dingen während dem Grenzübergang. Das tansanische Geld musste in Rwandan Francs gewechselt werden, wir mussten uns in Tansania aus- und in Ruanda einchecken, die Uhr wurde nachgestellt (in Ruanda ist also im Sommer die gleiche Zeit, wie in Deutschland) und ich brauchte einen Bus nach Kigali. Ein Visum mussten wir zum Glück nicht beantragen.

Die Busfahrt war entspannt. In Ruanda fahren ähnliche Busse, wie die tansanischen Dalladallas, jedoch sind sie viel neuer, etwas größer und weitaus leerer, weil die Busse (im Gegensatz zu denen in Tansania) schon dann voll sind und niemandem mehr reinlassen, wenn jeder Sitzplatz besetzt ist. Dass im Bus jemand steht, habe ich die ganze Zeit, die ich in Ruanda verbracht habe, nicht gesehen!

Ich habe es sehr genossen, auf der langen Busfahrt in die Hauptstadt aus dem Fenster zu sehen. Die Landschaft dort ist sehr hügelig und alles ist grün. Die gut gepflasterte Straße schlängelt sich zwischen den kleinen Bergen entlang durch Dörfer, die den tansanischen sehr ähnlich sind, jedoch ein wenig wohlhabender wirken und somit wirklich schön aussehen. Ich habe kein einziges Haus in Ruanda mit einem Strohdach gesehen, die meisten Dächer waren mit Dachziegeln und andere mit Wellblech gedeckt. Außerdem sah man kaum ein unverputztes Lehmhaus. Entweder die Häuser waren verputzt und teilweise bunt angemalt oder sie waren sogar mit Steinen gemauert und einige Häuser hatten Glasscheiben in den Fenstern, Fensterläden und sogar Vorgärten.

2 Gedanken zu „Fahrt nach Ruanda

  1. Hallo liebe Laura!

    Habe gerade von deinem Auge erfahren und leide mit dir!!! Ich sende dir von hier viel Kraft und positive Energie und ich bin mir sicher: Alles wird gut werden.
    Bin stolz auf dich, dass du nach Hause kommst. Es gibt nichts wichtigeres als die Gesundheit!!!!:)
    Wenn du Zuhause bist kommen wir dich besuchen und päppeln dich wieder auf:):):)
    Bis dahin Pass auf dich auf und vergiss nicht:der liebe Gott ist immer an deiner Seite.
    Bis bald und liebe Grüsse auch von Andreas , Nils und Leo
    Sendet dir Sandra

    1. Hallo liebe Sandra und Andreas, Nils und Leo!
      Vielen lieben Dank für eure Unterstützung!
      Dann sehen wir uns ja vielleicht!
      Liebe, liebe Grüße!
      Laura :)

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