Ein Rückblick zur Halbzeit

Hallöchen da drüben im hohen Norden 😉

Seit dem 1. August 2013 bin ich jetzt in dem schönen Land Tansania, arbeite, reise und lebe hier jetzt also seit fast 8 Monaten. Insgesamt werde ich 13 Monate hier verbringen, was bedeutet, dass die Hälfte meiner Zeit vorbei ist. Am 14. Februar haben Kathrin und ich unsere Halbzeit mit einem netten Essen und einem Kuchen zusammen gefeiert.

Acht Monate sind eine lange Zeit, in der man viel unternehmen, erleben, lernen und erfahren kann, jedoch auch eine Zeit, die im Nu’ vergehen kann. Und so ist das, wer schon einmal eine längere Zeit im Ausland verbracht hat, kann mich sicherlich verstehen. Oft ist es egal, wie lang diese Zeit ist, die man an einem anfangs fremden, bzw. neuen Ort verbringt, immer vergeht die Zeit wie im Fluge und wenn man an die vielen Situationen zurück denkt, die man erlebt hat, kommt es einem vor wie eine Ewigkeit.

Ich versuche euch mal eine Zusammenfassung der letzten 7,5 Monate zu geben, die ich hier verbracht habe.

Mein Anfang hier war wunderbar, ich habe mich sofort wohl gefühlt in der Gesellschaft der vielen Kinder, habe sie schon bald jedes Wochenende vermisst und mich jedes Mal gefreut, sie wiederzusehen, wenn ich für eine Zeit nicht im Kinderdorf war.

In die Arbeit im Kindergarten musste ich mich erstmal einfinden. Ich hatte anfangs das Gefühl, kaum Ideen zu haben und nicht zu wissen, was ich mit den Kindern machen kann, was die Kinder können und auch machen dürfen oder was ich mit ihnen spielen kann, ohne dass ich dafür viel Sprache oder Erklärungen brauchte. Am Anfang kamen mir die Kinder gut zu Hilfe, sie waren sehr geduldig mit mir und freuten sich jeden Tag mich zu sehen, weil ich die spannende Neue war.

Dann kam nach etwa 3-4 Monaten, als ich in der Sprache schon etwas sicherer war, die Phase, in der die Kinder (vor allem die etwas größeren in meiner Gruppe) ihre Grenzen bei mir austesteten, alles Mögliche versuchten und ausprobierten um mich auf die Palme zu bringen und oft sehr frech waren. Das war sehr anstrengend! Oft fiel ich nach den (nur) 2 Stunden Kinderbeschäftigung erschöpft in mein Bett um mich für die Arbeit am Nachmittag zu erholen. Diese Zeit war aber auch die Zeit, in der ich bald jedes der 60 Kinder im Kinderdorf beim Namen kannte, viel mehr über sie wusste, die ‚Mamas’, die die Kinder in den Häusern betreuen, kennengelernt hatte und ich mich ganz gut ins Kinderdorf eingelebt und meine Stellung (irgendwo zwischen Mitarbeitern, Kindern und Chefs) herausgefunden hatte. Ich wusste, wen ich bei welchen Fragen oder Problemen anzusprechen hatte, führte hier und da schon mal einen kleinen Plausch mit meinen Kollegen und Kolleginnen und fühlte mich in dem Projekt bereits sehr wohl.
Außerhalb der Arbeit lebte ich mich parallel auch in der Stadt jedes Wochenende besser ein. Manche Orte, die ich nun ein paar Mal besucht hatte, wurden zu meinen Lieblingsplätzen, verschiedene Gerichte, die es in der Stadt zu kaufen gibt, wurden ausprobiert und wurden zu tansanischen Leibspeisen und die anderen deutschen Freiwilligen, ein paar Tansanier und einige andere nette Menschen in der Stadt wurden zu neuen Freunden. Ich fühlte mich immer wohler in der Stadt und es machte mir Spaß Zeit mit den vielen, lieben Menschen dort zu verbringen und jedes Wochenende neue kennenzulernen.

Auf die anstrengende Arbeitszeit im Kindergarten folgte eine Zeit, in der kaum ein normaler Arbeitstag zustande kam und darauf der Besuch meiner Familie, Weihnachten, Silvester und das Zwischenseminar auf Sansibar. Erst als ich Mitte Januar zurück ins Kinderdorf kam, konnte ich meine normale Arbeit weiterführen – und das mit nur noch halb so vielen Kindern, weil die Großen nicht mehr in meiner Gruppe sind. Von da an ist die Kindergarten-Arbeit um einiges einfacher geworden. Jetzt habe ich teilweise nur 4 bis 5 Kinder in meiner Gruppe, alle drei Jahre alt oder jünger. Auch diese Kinder sind oft sehr frech, aber ich kann damit in der Regel viel besser umgehen. Zum einen, weil ich jetzt mehr Zeit für jedes einzelne Kind habe, zum anderen weil ich die Kinder besser kenne und jetzt ein bisschen besser weiß mit Streitereien umzugehen. Ich hatte die letzte Zeit oft Streitigkeiten mit Kindern aus meiner Gruppe, die mich auch teilweise gestresst haben, aber trotzdem fühlte ich mich in diesen Situationen sicherer und stärker als noch vor einigen Monaten. Außerdem habe ich es jetzt endlich geschafft, eine Struktur in den Kindergartentag zu bringen, woran die Kinder sich orientieren können. Das macht jeden Tag entspannter und lässt mich mich im Allgemeinen sicherer fühlen.

Gerade die letzten Tage habe ich jedoch gemerkt, dass ich den Kindern zurzeit kaum etwas entgegensetzen kann, dass ich nicht ausgeglichen genug bin um den Kindern konsequent und gerecht zu begegnen. Somit eskalieren Situationen durch einen Teufelskreis an Aktionen und Reaktionen, die sich aneinanderreihen und aus dem es schwer ist, auszubrechen. Dieses Wochenende habe ich mich mal wieder gut ausruhen und Abstand gewinnen können, was wahrscheinlich sehr wichtig ist. Außerdem werde ich demnächst eine Reise planen, um ein paar Tage rauszukommen und später mit mehr Elan und neuer Kraft wieder in die Arbeit zu starten.

Ansonsten geht es mir gut! Es gab vor ein paar Wochen hier bei einigen deutschen Freiwilligen Probleme mit der Arbeitserlaubnis, was uns alle eine Zeit lang ziemlich betrübt hat, weil es nicht klar war, wie es mit den Arbeitsstellen und somit auch mit dem Freiwilligendienst mancher Freiwilliger weiter geht, aber das hat sich glücklicherweise jetzt alles einigermaßen geklärt, manche Freiwilligen können ihre normale Arbeit fortsetzen, andere haben den Arbeitsplatz gewechselt, aber es musste zum Glück niemand ausreisen oder aus Iringa weg.

Ich sende euch allen viele liebe Grüße und hoffe ich kann euch demnächst von einem Urlaub berichten 😉
Eure Laura

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