Ein bisschen Alltag

Hallo ihr Lieben,

ich habe schon wieder länger nicht geschrieben, was hauptsächlich daran liegt, dass nicht so viele völlig neue und besondere Sachen in der letzten Zeit passiert sind. Aber bevor ich erst im Dezember wieder über Weihnachten berichte, erzähle ich euch halt ein wenig, wie das Leben hier so ist, wenn man keine spannenden Reisen macht, oder keine riesigen Sachen passieren. Es ist natürlich trotzdem immer was los und viel zu tun – langweilig ist es wirklich nicht!

Zum Beispiel haben wir schon wieder ein neues Kind, Jenny, ca. 2 Jahre. Es ist noch nicht sicher, ob sie jetzt komplett bleibt, aber seit 2 Wochen ist sie erstmal hier. Sie wurde ihr ganzes Leben in einem Tuch auf dem Rücken getragen und hat noch nicht laufen gelernt. Durch diese Wochen üben, üben, üben hier im Kinderdorf schafft sie es aber schon ganz gut. An der Hand oder an der Wand ist gar kein Problem mehr und ohne festhalten aufstehen kann sie auch schon. Sie ist ein sehr hübsches und fröhliches Kind, kommt immer auf mich zugekrabbelt, wenn ich komme und lacht mich an. Unsere kleine Consolata (siehe Foto in der Galerie) krabbelt jetzt auch schon prima und läuft etwas wacklig an der Hand. Diese zwei Kleinen sind jetzt ab und zu bei meinem Kindergarten dabei, dann lege ich ihnen Papier auf den Boden und sie hauen ein bisschen mit einem Buntstift darauf rum oder stecken sich die Memorykarten in den Mund. 😀
In meinen Kindergarten kommen seit einigen Wochen auch ein oder zwei Kinder aus dem benachbarten Dorf, die aber teilweise kein Kiswahili sondern nur Kihehe sprechen. Das ist dann ein wenig schwierig, aber ich habe das Gefühl, es wird besser und besser! Eine Situation war aber lustig, als der kleine Amani zu mir sagte: „Blablablablablabla tunda“ (also, den Rest habe ich nicht verstanden) und ich dachte, er möchte Obst (= tunda auf Kiswahili). Dabei hat mir eine Mama dann gesagt, dass er mich auf Kihehe gefragt hatte, ob er aufs Klo gehen kann… Naja, Kihehe kann ich nicht auch noch lernen, außer vielleicht die Begrüßungen ein wenig. Mit diesen Kindern habe ich dann manchmal bis zu 10 Kiddies morgens in meiner Gruppe. Oft lasse ich sie jetzt frei spielen und gehe dann danach mit ihnen zu den Tieren. Zum Abschluss singen wir zusammen. Es ist furchtbar anstrengend mit den Kindern und oft falle ich nachmittags erschöpft ins Bett, aber ich liebe diese Kinder sehr und es kann sein, dass sie langsam besser und besser auf mich hören!

Die letzte Woche haben Kathrin und ich damit verbracht Patenbriefe zu schreiben, bzw. schreiben zu lassen. Das bedeutet, dass wir uns jeden Tag eine handvoll Kinder genommen haben, ihnen liniertes Papier gegeben haben und sie schreiben und malen haben lassen. Danach mussten wir alle Briefe auf deutsch übersetzen und noch mal rein schreiben. Mit den Kleinsten haben wir uns hingesetzt und haben sie ein bisschen erzählen lassen, um dann direkt einen deutschen Brief daraus zu machen. Das war sehr viel Arbeit, aber wir sind in der letzten Woche auch sehr weit gekommen! Diese Briefe werden im Dezember dann von unserem Kinderdorfdirektor mit nach Deutschland genommen und von dort aus verschickt.

In der letzten Woche hatten wir im Kinderdorf für ein paar Tage kein fließendes Wasser. Bei so etwas merkt man erst wofür man eigentlich alles Wasser braucht und was ohne Wasser eindeutig schwieriger ist (Wäsche waschen, Geschirr spülen, Blumen gießen, Zähne putzen, Hände waschen, duschen, etc.). Selbst die Toilette braucht Wasser und normalerweise trinken wir das Leitungswasser hier im Kinderdorf. Und dann kam ich in die Stadt und da gab es zwar Wasser aber keinen Strom. Und natürlich geht gerade dann mein Handy aus und mein Laptop hat nicht genug Akku, dass ich ins Internet kann. Das war aber glücklicherweise nur für ein paar Stunden (in denen ich genug anderes zu tun hatte), und auch im Kinderdorf gibt es jetzt wieder Wasser.

Am Samstag gab es eine International Night an der International School in Iringa (eine kleine private Schule, an der hauptsächlich amerikanische und europäische Lehrer unterrichten und wo so ziemlich alle Ausländer, reichere Tansanier und gemischte Familien in Iringa ihre Kinder zwischen 4 und 18 Jahren hinschicken). Das ist ein großes Fest, was einmal im Jahr in dieser Schule stattfindet. Mit Essen aus alles Kontinenten und internationalem Programm. Dort finden sich alle Expats Iringas zusammen und es ist eine gute Chance neue Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen oder Menschen wiederzutreffen, die man mal irgendwo getroffen hat. Ich war dort mit einigen Mamas, dem Direktor und 20 Kindern aus unserem Kinderdorf. Gerade für die Kinder war das natürlich etwas total Außergewöhnliches, mit den vielen internationalen Kindern zu spielen und soviel Essen probieren zu können (obwohl ich einmal ein Mädchen aus unserem Kinderdorf mit einem Teller voller europäischem Essen fragte, ob es denn lecker sei und sie antwortete, dass es ihr alles nicht schmecke, dann habe ich sie von dem Essen erlöst und sie ist an den afrikanischen Stand gegangen). Für mich war es auf jeden Fall ein sehr, sehr schöner Abend mit vielen Freunden, der um halb 11 mit einer Kinder- (und Freiwilligen 😉 )Disko einen schönen Ausklang fand.

Ich bin jetzt schon über 3 Monate hier und es ist so unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt. In einem Monat kommt mich meine liebe Familie besuchen. In der Zeit ist dann Weihnachten, Silvester, ganz viel Urlaub und mein Zwischenseminar auf Zanzibar. Danach ist hier im Kinderdorf der Vorstand und ganz viel anderer Besuch aus Deutschland da. Die bleiben bis Februar und dann fährt auch Christoph. Ich glaube bis März wird jetzt alles rasen und dann ist schon über die Hälfte rum! Naja, ich werde berichten (sofern ich Zeit dazu finde).

Für jetzt viele liebe Grüße und Umarmungen!

Eure Laura

 

 

 

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