Alle Artikel von Laura

Gemischtes der letzten Wochen

Reaktionen auf meinen Deutschlandaufenthalt

Wie ich geschrieben habe, musste ich für eine Zeit nach Deutschland um eine Hornhautentzündung im Auge behandeln zu lassen. Es ist interessant, wie die verschiedenen Leute darauf reagiert haben, als ich davon erzählte.

In Deutschland waren alle relativ besorgt, beziehungsweise erleichtert, dass ich zurückgekommen war. Oft hörte ich Sätze wie: „Das kann echt gefährlich sein!“ oder „Gerade das Auge! Da muss man besonders aufpassen!“

Zurück in Tansania musste ich auch vielen Tansaniern erklären, warum ich einen Monat weg gewesen war. Auch die Tansanier wirkten sehr besorgt, als ich ihnen erzählte, dass ich aus Gesundheitsgründen in Deutschland war. Als sie jedoch erfuhren, was mit mir war, schauten mich viele ungläubig an oder mussten sogar lachen. Viele dachten sich wahrscheinlich: „An einer Augenentzündung ist nichts lebensbedrohliches, das ist doch wohl ein bisschen übertrieben, wegen so einer Kleinigkeit zurückzufliegen.“ Irgendwie haben sie damit ja Recht. Hier sind so viele Menschen, die sich gar keine Behandlung leisten können. Und wenn, dann müssen sie mit der tansanischen vorlieb und eben auch mal ein blindes Auge in Kauf nehmen. Das hindert einen noch nicht mal am Arbeiten!

Trotz allem bin ich heilfroh und dankbar die Möglichkeit gehabt zu haben, in eine gute Augenklinik in Deutschland zu gehen!

VETA

Vor ein paar Wochen war ich zusammen mit 3 Mamas und unserem Buchhalter mit den meisten Kindern (35 Kinder ab der zweiten Klasse) bei der Vocational Education and Trainig Authority (kurz VETA) in Iringa. Dies ist ein Ausbildungszentrum, in dem man schon mit einem Grundschulabschluss eine zweijährige Ausbildung machen kann.

Los ging es am Morgen um neun in einem (spontan) gemieteten Bus, in dem wir alle mit etwas Quetschen gut Platz fanden. Der Bus war wider Erwarten ziemlich pünktlich da und wir kamen ohne große Verzögerung sehr früh weg und erreichten eine Dreiviertelstunde später das Zentrum. Hier wurden wir von einem der Lehrer empfangen und erstmal durch die Klassenräume geführt. Außerdem zählte er uns auf, was es alles für Bereiche gab und erklärte uns ein wenig zu jedem Bereich. Das Spannendste für die Kinder war jedoch die Führung durch die Werkstätten und Arbeitsbereiche. Wir schauten uns die Schreinerei, den Computerraum, die Lernküche, die Schneiderei, die Maurerei, die Klempnerei, die Schweißerei und einige andere Bereiche an. Nach jedem Besuch eines Ausbildungsbereiches fragte der Lehrer, wer sich vorstellen könnte in diesem Bereich zu arbeiten und immer meldeten sich verschiedene Kinder. Manche waren ganz fasziniert von der Schweißerwerkstatt, andere fanden die Arbeit des Malers spannend und so gut wie alle wären am liebsten gleich im Computerraum geblieben um dort eine Ausbildung als Sekretär oder ähnliches anzufangen.

Einen schönen Ausklang fanden wir, als wir müde und hungrig in unserem Wochenendhaus in Iringa ankamen und unser mitgebrachtes Essen aßen: Reis mit Bohnen und Banane, dazu Rosella-Tee. Sehr lecker!

Malawi

Letzten Monat bin ich zusammen mit einer anderen Freiwilligen aus Iringa für eine Woche nach Malawi gefahren. Von Iringa aus schafft man es an einem Tag bis über die Grenze. Malawi liegt südlich von Tansania. Es ist ein sehr kleines und schmales Land, sodass es von keinem Ort weit zum wunderschönen Malawisee ist, der sich vom Norden bis fast ganz in den Süden zieht. Unsere erste Nacht verbrachten wir in dem Dorm einer kleinen Lodge in Chitimba, wo wir ein paar nette Leute kennenlernten, mit denen wir am nächsten Tag einen Ausflug auf einen Berg unternahmen, wo es eine kleine Missionsstadt, mehrere tolle Wasserfälle und überall eine tolle Aussicht gab. Am Tag darauf fuhren wir weiter in den Süden und kamen am Abend in Nkhata Bay, einem schönen und etwas touristischeren Städtchen, an. Dort blieben wir für drei Nächte, schauten uns das Städtchen an, trafen einige Reisende mit spannenden Geschichten und profitierten von den Angeboten unserer Backpackerlodge direkt am See, wie zum Beispiel Schnorchel oder Kanus ausleihen, leckeres Frühstück und Buffets oder die Übertragung der Fußball WM (vor allem das Spiel Deutschland gegen Ghana, wo wir so ziemlich die einzigen waren, die Deutschland unterstützten). Auf dem Rückweg machten wir einen Stopp in Mbeya, bevor wir unseren Urlaub auf einem Campingplatz in der Nähe von Iringa noch um eine Nacht verlängerten.

Malawi hat mir landschaftlich sehr gut gefallen und auch die Menschen waren immer freundlich und hilfsbereit, auch wenn uns natürlich viele beim Taxi oder Bus fahren oder beim Geldwechseln (in Malawi bezahlt man mit Kwacha) übers Ohr hauen wollten. Die Kleinbusse in Malawi sind noch vollgestopfter als in Tansania, was man sich eigentlich kaum vorstellen kann. Was außerdem interessant war, war, dass wir während unseres ganzen Aufenthalts in Malawi kein einziges Motorradtaxi sahen. Stattdessen standen an den Busbahnhöfen oder auch in größeren Dörfern einige Menschen mit Fahrrädern, die diese als Transportmittel anboten. Generell wird in Malawi anscheinend viel mehr Fahrrad gefahren als in Tansania.

Keine zwei Monate mehr…

Das Ende meines Freiwilligendienstes in Tansania rückt immer näher und jetzt sind es nicht mal mehr zwei Monate, die uns bleiben, bevor wir wieder zurück in die Heimat fahren. In einem Monat kommen unsere Nachfolger und unsere Arbeit im Kinderdorf ist somit dann so gut wie vorbei. Für uns bedeutet das, dass wir bis Ende Juli unsere Zimmer ausgeräumt haben müssen. Dadurch, dass es gerade sehr ruhig im Kinderdorf ist, weil die Kinder über ihre Schulferien wieder zu ihren Verwandten gefahren sind und ich ab nächster Woche Besuch haben werde, sind wir also schon jetzt fleißig am (aus)sortieren, Platz planen und Sachen einpacken, die wir mitnehmen möchten, jetzt aber nicht mehr unbedingt brauchen.

Außerdem gebe ich in letzter Zeit noch ein paar Kleidungsstücke bei der Schneiderin in Auftrag, damit sie noch früh genug fertig werden. Stoffe werden gekauft, Essen genossen, erste Freiwillige verabschiedet und Fotobücher gestaltet. Gleichzeitig muss ich mich um die Hochschulbewerbungen kümmern, mache mir Gedanken wo ich was wann studieren möchte und bereite mich seelisch auf den tansanischen Abschied und den deutschen Neuanfang vor. Das ist alles eine spannende Zeit.

Ganz bald bin ich also schon wieder zurück und dann ist das Abenteuer vorbei. So schnell kann’s gehen… Andererseits freue ich mich auf die Dinge, die mich in Deutschland erwarten! Dazu vielleicht am Ende noch mal mehr :)

Liebe Grüße, eure Laura

Wieder zurück :)

Hallo ihr Lieben!

Ziemlich genau einen Monat war ich in Deutschland, ganz entgegen meiner Erwartungen. Ich musste ein paar Tage stationär im Krankenhaus bleiben und auch danach noch zu einigen Kontrolluntersuchungen ins Krankenhaus, bevor ich letzte Woche Mittwoch endlich das OK bekam, wieder zurück nach Tansania fliegen zu können. Diese Woche Montag bin ich dann geflogen und seit Mittwoch bin ich zurück im Kinderdorf. Obwohl ich dank meiner lieben Freunde und Familie eine wunderschöne Zeit in Deutschland hatte, bin ich doch wirklich froh und dankbar wieder zurück hier in Tansania zu sein und meinen Freiwilligendienst regulär beenden zu können. Vor allem die ganzen Kinder und die anderen Freiwilligen habe ich echt vermisst und ich war heilfroh alle wiederzusehen! Jetzt kann ich für die letzten 3 Monate also nochmal ganz in den tansanischen Kinderdorf-Alltag eintauchen, bevor ich Anfang September wieder in den Flieger zurück steige.

Vielen Dank an alle, die mich in der Zeit, die ich in Deutschland war, besucht, ermuntert und unterhalten haben 😀

Eure Laura

Spontane Entscheidung

Hallo, ihr Lieben!

Ich hoffe, ich habe euch mit meinem ausführlichen Reisebericht nicht überfordert. Jetzt habe ich eine andere Nachricht: und zwar fliege ich heute Abend nach Deutschland. Ich habe seit über einer Woche eine Augenentzündung, die auch mit verschiedenen Medikamenten nicht wirklich besser wird und deswegen hat meine Versicherung entschieden mich nach Deutschland zu holen, damit ich dort in einer Augenklinik behandelt werden kann und sie nicht die Verantwortung für eventuellen Folgeschäden durch eine falsche Behandlung hier tragen müssen. Das ganze wurde am Donnerstag entschieden und war alles sehr spontan und gestern habe ich dann einen Flug nach Dar genommen und heute fliege ich weiter. Das Kinderdorf habe ich jetzt nur einen Tag gesehen, ich hoffe aber ja, dass ich bald wieder zurück bin. Wenn sich mein Zustand geklärt habe, werde ich berichten und bald werde ich euch dann hoffentlich wieder über meine Abenteuer in Tansania berichten können.

Liebe Grüße,
eure Laura

Abenteuerliche Rückfahrt

Meine Rückfahrt ging über mehrere Stationen und dauerte insgesamt etwa 6 Tage. Da ist aber auch ein Tag Pause eingerechnet. Sie startete in Kigali am Dienstagmittag und endete in Iringa am Montagmorgen eine Woche später. Am Mittwoch übernachtete ich also in Benako, in Tansania, an der ruandischen Grenze. Am nächsten Morgen musste ich eigentlich um 6 Uhr wieder am Bus sein und war deshalb ziemlich erschrocken, als ich aufwachte und mein Wecker 6.05 Uhr anzeigte. Ich sprang aus dem Bett, zog mir schnell die Klamotten vom Vortag an und lief so schnell es mein schwerer Rucksack zuließ zu der Bushaltestelle, wo kein Bus stand. Später erfuhr ich dann, dass der Bus noch lang nicht da war und dass ich mir keine Sorgen machen musste. Um kurz vor 7 saß ich dann im Bus, erleichtert, nicht noch einen Tag und eine Nacht in diesem kleinen, vollen Durchfahrtsort verbringen zu müssen. Nach etwa 7 Stunden Fahrt war ich am frühen Nachmittag wieder in Mwanza, wo ich wieder meine Freunde besuchte, die Freiwilligen dort traf und die schöne Stadt genoss. Dadurch, dass ich noch ein paar Tage Urlaub hatte, hatte ich entschieden über Moshi zurückzufahren, in der Hoffnung dort den Kilimanjaro zu sehen, also fuhr ich am nächsten Morgen früh los in Richtung Moshi. Neben mir im Bus saß eine Mutter mit etwa 2-jährigen Zwillingen, die nach Arusha wollte. Und da die Sitze in den Bussen so eng sind, konnte sie natürlich nicht beide Kinder auf ihrem Schoß haben, so hatte ich kurz darauf für die nächsten 12 (von insgesamt 13) Stunden ein kleines Mädchen auf dem Schoß. So ist das in Tansania.. 😀 Auf dem Weg nach Arusha verändertee sich die Landschaft, die Wiesen wurden weiter und man sah immer häufiger Menschen mit blauen oder roten Gewändern: die Maasai. Außerdem sah man oft rieeesengroße Herden Ziegen oder Kühe mit ein paar hirtenden Maasai dabei, häufig auch Kindern. Und immer mal wieder konnte man ein kleines Dorf aus runden Strohhütten sehen oder eine Maasai-Versammlung. Das war echt spannend zu sehen. Und das waren auch mal keine Touristen-Maasai, die ihren Schmuck in Sansibar am Strand verkauften, sondern die sahen schon ziemlich echt aus.
Leider kam ich im Dunkeln in Moshi an, sodass ich am Abend keine Chance mehr hatte den beeindruckenden, großen Berg zu sehen, ich hatte aber gehört, dass man den Kili gerade morgens super bewundern konnte und dass er auf meiner Fahrt nach Dar am nächsten Tag gut sichtbar sein sollte, also ging ich zuversichtlich ins Bett und stand am nächsten Morgen früh auf um wieder ernüchtert zu werden: Der Himmel war weiß! Kein einziger blauer Fleck am Himmel, der mich hoffen ließ noch irgendwas zu sehen.. Also war mein Umweg über Moshi ein wenig umsonst gewesen.. Ich fuhr also weiter nach Dar Es Salaam. Die Fahrt dauerte ziemlich lang, aber ich hatte mir während den ganzen letzten Fahrten die Wochen zuvor angewöhnt, kaum noch aus dem Fenster und schon gar nicht auf die Uhr zu schauen. Also nicht zu warten sondern einfach meine Zeit mit irgendwas anderem zu verbringen: meistens Sudoku. So wurde es irgendwann dunkel und es regnete in Strömen und irgendwann erreichten wir den Busbahnhof von Dar Es Salaam in einem abendlichen Unwetter. Irgendwie musste ich aber noch in die Stadt kommen und das war gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Ich teilte mir mit einem anderen Reisenden aus meinem Bus ein Taxi, jedoch merkten wir nach etwa einer halben Stunde, dass die Straßen in die Innenstadt komplett überflutet waren und in dem Stau ging es erstmal weder vor noch zurück. Nach 2 Stunden Taxifahrt (die ich wieder mit Sudoku verbracht hatte um nicht ungeduldig zu werden) kam ich dann jedoch trotzdem in meinem Hostel an, weil der Fahrer es geschafft hatte einen anderen Weg in die Stadt zu nehmen und somit erst meinen Mitfahrer und dann mich an unseren jeweiligen Zielen abzusetzen. Da fiel meine Entscheidung den nächsten Tag erst einmal in Dar Es Salaam zu bleiben und nicht direkt weiter nach Iringa zu fahren. Ich hatte echt genug von Bussen!
Den nächsten Tag schlief ich aus und verbrachte die meiste Zeit dann mit einem meiner Mitfreiwilligen aus Iringa, der mit seiner Familie in einer Lodge am Strand war. Dort regnete es zwar weiter wie aus Eimern, aber das konnte uns nicht davon abhalten in den Pool zu springen und die Zeit ein wenig zu genießen. Bis spät am Abend war ich dort und fuhr dann wieder zurück in mein Hostel.
Ja, und am nächsten Tag hatte ich dann die Horrorfahrt schlechthin, die längste und anstrengendste und abenteuerreichste und gefährlichste Fahrt meines ganzen Urlaubs auf der kürzesten Strecke. Um halb 10 Uhr morgens (letzten Sonntag) fuhr mein Bus aus Dar Es Salaam los. Ich war (glücklicherweise) spontan in einen luxuriöseren, neueren und nur sehr wenig teureren Bus gestiegen und saß so relativ gemütlich. Etwa eine halbe Stunde nach Abfahrt (draußen sah es noch sehr nach Dar aus) blieben wir stehen und irgendwann hieß es sogar wir müssten aussteigen und ein Stückchen laufen. Draußen sahen wir, dass wir auf einer Art Brücke standen, die in der Mitte etwa einen halben Meter eingesunken war. Es war also eine Kuhle in der Mitte der Brücke, über die der Bus lieber leer fuhr. Beim Bus angekommen stiegen alle wieder ein und die Fahrt ging weiter. Jedoch nicht lange. Nach ca. einer weiteren Stunde Fahrt (noch lange vor Morogoro, das etwa 3 Stunden von Dar entfernt ist), es war noch nicht mal 12 Uhr standen wir wieder (was mir durch mein Sudoku jedoch erst ein wenig später auffiel) und am Anfang wusste niemand was los war. Einige stiegen aus, der Busfahrer war auch schon länger nicht mehr da und vor hinter und neben uns stand alles voller Fahrzeuge, die meisten waren Reisebusse. Irgendwann erfuhren wir was los war: Weeeeeit vor uns war ein Fluss durch den vielen Regen der letzten Tage überschwemmt und so hoch gestiegen, dass er die Brücke, über die die Straße führte, überschwemmt hatte. Sie war also nicht passierbar und alle Autos, die seit dem Morgen darüber wollten, standen davor und warteten. Irgendwann bekam ich einen Anruf von einem anderen Freiwilligen aus Iringa, der erfahren hatte, dass ich auch in diesem Stau stehe und vorschlug, dass wir uns ja treffen könnten. Er war jedoch schon um 6 Uhr morgens losgefahren und somit weit vor mir. Ich hatte jedoch nichts zu verlieren, da ich ja falls der Stau sich legte, einfach an der Straße auf meinen Bus warten konnte. Also machte ich mich auf den Weg, ich lief zügig und nach etwa 20min laufen (ich hatte ein paar Mal in den Bussen gefragt, wann sie Dar Es Salaam verlassen hatten, dass ich nicht schon vorbei gelaufen war), nahm ich mir ein Motorradtaxi um weiter zu kommen und irgendwann sah ich den Bus, der mir erklärt wurde und ich traf sogar meinen Kumpel dort. Die nächsten 3-4 Stunden verbrachten wir also zusammen, was nicht mehr so langweilig war und irgendwann erfuhren wir 2 Sachen:
1. dass der Präsident auch in unserem Stau gestanden hatte, irgendwo ganz vorne, aber mit einem Helikopter abgeholt wurde und
2. dass anscheinend um 16 Uhr ein ‚großes Auto’ kommen solle, dass versucht über diese Brücke zu fahren und schaut, ob die überhaupt noch ganz ist und das aushält und wenn das schafft rüberzukommen, könnten alle Fahrzeuge rüberfahren.
Irgendwann am späten Nachmittag bewegte sich der Verkehr langsam weiter (stockte aber immer wieder) und ich entschied, mit einem Motorradtaxi wieder zurück zu meinem Bus zu fahren. Auf dem Weg fuhr ich an einem Safariwagen mit Ausländern vorbei und als ich genauer hinsah, erkannte ich meinen Mitfreiwilligen mit seiner Familie, mit denen ich den Vortag verbracht hatte. Die Armen waren schon um 4 Uhr morgens losgefahren und wollten eigentlich noch bis Arusha kommen. Ich unterhielt mich kurz mit ihnen und wünschte ihnen eine gute Reise.
Meinen Bus fand ich dann irgendwann auch und einige Passagiere lachten, als sie mich sahen, weil sie schon gedacht hatten, ich wär noch irgendwo anders und würde den Bus nicht mehr finden.
Es dauerte noch ziemlich lange bis wir die Brücke erreichten. Das Problem war, dass die einspurige Straße, auf der wir standen, bis zur Brücke zweispurig, also auch auf der Gegenverkehrseite, befahren wurde und das sicherlich auf der anderen Seite der Brücke nicht anders aussah, es konnte also keine Seite fahren. Später sahen wir, dass die andere Seite ihre Fahrzeuge zur Seite gefahren hatten und auf großen Plätzen abgestellt hatten, was bei uns gar nicht möglich gewesen wäre.
Ja, und dann kamen wir zur Brücke. Es war schon lange dunkel, ca. 21 Uhr, ich war also schon seit 12 Stunden unterwegs und hatte bisher eine Strecke hinter mir, die man an normalen Tagen in 1,5 Stunden schafft.
Von dem ‚Fluss unter’ der Brücke war nicht viel zu erkennen. Was wir sahen, war ein endlos erscheinender See, von dem man kaum ein Ende entdecken konnte (was natürlich unter anderem auch an der Dunkelheit lag). Von der Brücke sah man nichts, außer ein paar Büschen, die aus dem Wasser lugten und anscheinend den Rand der Brücke aufzeigten. Wir fuhren langsam und dicht hinter dem Bus vor uns. Wirklich gefährlich wurde es vor allem dort, wo die Büsche nicht mehr zu sehen waren. Dort fuhren wir einfach durch einen riesigen See, in der Hoffnung nicht von der Brücke abzukommen und unterzugehen. Ich hatte in dem Moment wirklich Angst und malte mir schon die schlimmsten Szenarios aus, dabei war ich wahrscheinlich sogar eine der wenigsten, die schwimmen konnte. Die Menschen, die rechts am Fenster saßen, sagten aufgeregt, dass sie im Wasser sogar einen LKW und ein Motorrad schwimmen sahen..
Natürlich atmeten alle erleichtert auf und bekreuzigten sich, als wir endlich wieder trockene Straße unter den Rädern hatten. Das war echt ziemlich spannend!
Auf der anderen Seite der Brücke fuhren wir dann wieder kilometerlang an stehenden Autos und Bussen und ausgestiegenen Menschen vorbei, die dort noch eine ganze Zeit warten mussten, bis sie weiterfahren konnten.
Etwa um Mitternacht oder kurz danach erreichten wir Morogoro wo einige Passagiere ausstiegen. Ich schlief ein und irgendwann als ich wieder aufwachte, stand unser Bus wieder. Es war mitten in der Nacht und es wurde uns nicht erlaubt in der Nacht weiterzufahren. So standen wir am Straßenrand bis wir um 5 Uhr weiterfahren konnten. Um 8 Uhr morgens kam ich nach 22,5 Stunden Fahrt in Iringa an.
Durch diese letzte Horrorfahrt, die noch mal zusätzlich anstrengend war, weil mein Auge entzündet war (dazu im nächsten Beitrag mehr), habe ich in diesen 2 Wochen Urlaub insgesamt 99 Stunden Busfahrt hinter mir. Und das nur an 8 wirklichen Fahrttagen.. Wenn ich die jeweils 3 Stunden nach Kibuye und zurück nicht mitrechne, habe ich pro Reise durchschnittlich ca. 15 Stunden im Bus gesessen. Jetzt kann ich das typisch tansanische „Pole na safari“ (Tut mir leid, dass du reisen musst) voll und ganz verstehen und so schnell werde ich mich nicht mehr freiwillig in einen Bus setzen, wenn ich es verhindern kann.
Generell war mein Urlaub aber sehr spannend, erholend und schön! Ich habe mich am Ende aber auch wieder auf das Kinderdorf gefreut. Dass ich das aber erstmal wieder nicht genießen kann, erfahrt ihr im nächsten Artikel.

Ruanda

Kigali
Im Bus unterhielt ich mich mit dem Ruander vor mir, er sprach gutes Englisch und ein noch besseres Französisch und brachte mir ein paar Wörter und Floskeln auf Kinyarwanda bei. Murakoze heißt Danke und Hamakuru heißt Guten Morgen. In Ruanda spricht so gut wie jeder die Landessprache Kinyarwanda und einige Ruander sprechen sogar Französisch oder Englisch fließend. So ist es nicht so schwierig in Ruanda zurechtzukommen ohne die eigentliche Landessprache zu sprechen, wie es das in Tansania wäre. Der Herr mit dem ich mich auf Französisch unterhielt, wohnt in Kigali und half mir dort am Abend, als wir ankamen eine ruandische SIM-Karte zu kaufen und lud mich auf einen Kaffee ein, bevor ich von meinem Couchsurfing Host abgeholt wurde. Ich hatte mich dazu entschieden in der Zeit in Kigali Couchsurfing zu machen, also im Internet auf der Couchsurfing-Homepage nach einer netten Person zu suchen, die mich für die Zeit aufnehmen möchte. Und dieser Gastgeber holte mich nun mit dem Auto im Café ab. Er ist in Ruanda geboren, hat jedoch eine lange Zeit in Frankreich gelebt und spricht so fließend französisch und englisch und kann sogar auch ein bisschen deutsch und lebt nun in einem schickeren Viertel Kigalis in einem schönen Haus mit zwei Gästezimmern, wovon ich eins für mich bekam. Ich verstand mich sofort gut mit ihm und am Abend saßen wir noch mit seiner Freundin zusammen, aßen Abendbrot und tranken Wein. Danach fiel ich todmüde in mein neues Bett.
Am nächsten Tag musste ich Geld abheben und lief so ein wenig in der Gegend herum auf der Suche nach einem Geldautomaten. Irgendwann kam ein Moto (also ein Motorradtaxi – was es in Ruanda noch häufiger gibt und was noch üblicher ist als in Tansania) vorbei und ich bat den Fahrer, der nur Kinyarwanda sprach, mit Händen und Füßen mich zum nächsten ATM (also Geldautomat) zu bringen. Der meinte verstanden zu haben und fuhr los. Wir fuhren weiter als ich erwartet hatte (mein Host hatte eigentlich gesagt, es gäbe einen ATM in der Nähe) und stoppten vor einem kleinen Einkaufszentrum. Dort stand mit großen Buchstaben MTN Center. Der Fahrer hatte mich also falsch verstanden. Es machte mir jedoch nichts aus und in dem Center fand ich natürlich auch einen Geldautomaten. Was mich aber noch mehr überraschte, war die ‚German Butchery’, die es dort gab. Ein kleiner, aber sehr deutscher Supermarkt, in dem es ALLES gab, wovon ich in den Monaten zuvor nie zu träumen gewagt hatte. Von hipp-Babygläschen über VitaminC-Tabletten von ja!, Lindt Schokolade, sauren Gurken, Ü-Eiern, Nutella bis hin zu Gouda und Vollkornbrot. Und genau das ist es was ich mir dort kaufte und was meine folgenden Frühstücke zu einem reinen Genuss machten: Brot und Käse.
An dem Abend waren zwei ruandische Freunde meines Hosts, ein Belgier und der Umweltminister Ruandas zum Fußballschauen eingeladen. Paris Saint-Germain spielte gegen Chelsea und gewann heldenhaft und wurde von uns mit Champagner gefeiert.
Am nächsten Tag war ich mit zwei Mädels verabredet, von denen eine auch eine Couchsurfing Host ist, momentan aber niemanden aufnehmen kann. Wir trafen uns in einem netten Café in der Innenstadt und verbrachten ein paar Stunden zusammen. Danach wurde ich von Jules, einem der Freunde meines Hosts abgeholt, der mir noch ein paar andere Ecken der Stadt zeigte, mit dem ich in die ‚5D Experience’ des Kigalier Kinos ging, mit dem ich die ‚besten Samosas Ruandas’ aß und nachher ein Bierchen trinken ging. Mützig – das ruandische Bier. Für den Abend war ich mit den Mädels in einer Open-Air Karaokebar namens ‚Car Wash’ verabredet und danach ging ich noch mit Jules feiern.
Am nächsten Tag wollte ich eigentlich für eine Nacht nach Kibuye an den Lake Kivu im Westen Ruandas an der Grenze zum Kongo fahren, da ich aber erst spät aufwachte, verschob ich das auf einen Tag später und nahm mir für den Tag das Genocide Memorial Museum vor.
Dort im Museum ließ ich mir viel Zeit die Informationen zu studieren und die Bilder auf mich wirken zu lassen. Es war sehr bewegend und ich lernte und erfuhr viele Dinge, die ich vorher nicht wusste. Auf dem Außengelände des Museums wurden einige Vorbereitungen für den großen Gedenktag und die Feier getroffen, die Gräber wurden mit Blumen mit „Genocide – Never Again“-Bändern geschmückt und es wurden Banner mit dem aufgedruckten Motto: „kwibuka 20 – remember, unite, renew“ (also das ‚20. Mal Erinnern’ aufgehängt).
Als ich das Museum verließ war ich ziemlich traurig und voller Gedanken und ich wusste nicht wirklich was ich als nächstes machen sollte oder wollte. Am Abend schlief ich dann früh ein und wachte früh genug auf um nach einem Frühstückskäsebrot nach Kibuye zu fahren.

Kibuye
Nach Kibuye fuhr ich etwa 3 Stunden in einem kleinen, neuen Bus. Als ich ankam nahm ich mir ein Moto zu dem Guesthouse, das mir von verschiedenen Leuten empfohlen wurde. Es befindet sich auf einem der Hügel, der ein Ufer zum See hat und von dort oben aus hat man zu drei Seiten einen wunderschönen Ausblick auf den See. Ich fragte, ob noch Einzelzimmer für ca. 8 Euro frei sein und der Rezeption verneinte die Frage, meinte, es gäb nur Zimmer für 6€ und führte mich zu einem wunderschönen, kleinen Zimmerchen, das zwar keinen Blick auf den See hatte, aber super süß eingerichtet war. Mit einem liebevoll gemachten Bett, zwei kleinen Tischen mit weißen Tischdeckchen, einem Waschbecken und einem großen Fenster mit edlen Vorhängen. Auf einem der Tischchen lag eine Bibel, die dort wunderbar hinpasste. Ich konnte mir sofort vorstellen in diesem winzigen Zimmerchen länger zu verbringen und fühlte mich sehr wohl! Deswegen war es auch nicht schlimm, dass es anfing zu regnen und ich erstmal nicht weiter die Umgebung entdecken konnte. Nach dem Regen spazierte ich einen schönen Weg zurück in die Stadt um etwas essen zu gehen. Ich hatte schon vorher gehört, dass es typisch ruandisch ist zu einem Buffet zu gehen und ich hatte es vorher nie geschafft, also suchte ich mir ein kleines Restaurant, das ein Buffet anbot. Es war local food und somit sehr günstig und ich war froh ein ruandisches Buffet ausprobiert zu haben. Es gab Reis, Bohnen, Fleisch in einer Sauce, total überkochte Spaghetti, Süßkartoffeln und Avocado.
Am Abend wollte ich noch einmal runter zum See und fand nach einigen Anläufen, die in dichtem Dickicht endeten, einen kleinen, steilen Weg hinunter zum Ufer. Unten angekommen wagte ich mich über die glitschigen Steine ins Wasser und schwamm ein paar Runden in dem kühlen Wasser.
Später aß ich in dem Restaurant des GH und wurde von einem Bootsfahrer angesprochen, der Bootstouren zu den umliegenden Inseln (zum Beispiel der Peace Island, von der ich viel Gutes gehört hatte) organisiert. Ich buchte also eine Tour und sprach später noch drei Mädchen an, bei denen sich herausstellte, dass sie deutsche Freiwillige in Uganda sind, die kurzerhand auch zusagten am nächsten Morgen mit auf die Tour zu kommen.
Am nächsten Tag schlossen sich auch noch eine Niederländerin und ein Brasilianer an, sodass wir zu sechst die Fahrt zu der schönen Insel machten. Dort konnte man gut schwimmen und ein wenig die kleine Insel erkunden. Es war echt sehr ruhig und schön und als noch zwei andere Boote mit Touristen ankamen, waren wir schon fast wieder auf dem Rückweg.
Am Nachmittag fuhr ich dann mit dem Bus wieder zurück nach Kigali und ging schön essen, bevor ich wieder zurück zu meinem Host fuhr.

Kigali
Mein letzter Tag in Kigali war der 7. April und somit der 20. Gedenktag des Genozids in Ruanda. Es wurde ein ‚Walk to Remember’ vom Parlament bis zum Stadion organisiert und im Stadion folgte eine Gedenkfeier mit Gesängen und Reden. Es war natürlich super interessant dort dabei zu sein und ich war auch lange nicht die einzige Ausländerin in diesen Reihen, jedoch bestand der ganze Tag für mich hauptsächlich aus Warten (darauf, dass wir in die Stadt fuhren, darauf, dass wir zum Walk gingen, darauf, dass der Walk losging, darauf, dass wir ins Stadion kamen, darauf, dass die Veranstaltung losging) und die meisten Reden während der Feier waren auf Kinyarwanda, sodass ich davon nichts verstand. Mein Host und ich gingen auch relativ früh wieder und das interessanteste war, als er mir auf dem Heimweg erzählte, wie er diese Zeit damals erlebt hatte. Er ist nicht viel älter als ich und war somit zu der Zeit noch ein Kind, konnte sich aber an ein paar Sachen erinnern. Wir sprachen also noch ein wenig darüber und sahen uns am Abend im Fernsehen noch Diskussionen darüber an.
Am nächsten Tag verließ ich nachmittags wieder das schöne Land Ruanda (nachdem ich mir noch mal einen Käse für Tansania gekauft hatte 😉 ) und kam an der Grenze in Tansania in einer kleinen Pension unter, von wo ich am nächsten Morgen ganz früh weiter musste.

Fahrt nach Ruanda

Mein eigentliches Ziel meiner Reise war es ein paar Tage in Ruanda zu verbringen. Ich wollte gerne ein anderes afrikanisches Land kennenlernen, ein wenig in die ruandische Kultur reinschnuppern und auch einiges über den Genozid erfahren, der 1994 in dem kleinen Land viel Schaden anrichtete.

Meine Reise nach Kigali, der ruandischen Hauptstadt ging sehr früh morgens los. Um 4 Uhr musste ich am Busbahnhof sein um ein Ticket für den Bus zu kaufen, der um 5 Uhr losfuhr und mich in die Nähe der ruandischen Grenze bringen sollte. Auf meiner Reise lernte ich zwei tansanische Mädchen (16 und 21) kennen, die sich untereinander auch zum ersten Mal sahen, die aber beide gerade einen schwierigen Job als Hausmädchen hinter sich hatten. Beide erzählten von Schlägen und sehr schlechter Behandlung und waren froh den Job erstmal hinter sich zu lassen. Die Jüngere war in dem Bus auf dem Weg zurück zu ihrer Familie um sich erstmal wieder zu erholen, bevor sie sich einen neuen Job suchte und die Ältere war auf dem Weg in eine neue Stadt um dort noch mal ihr Glück zu versuchen. Andererseits habe sie jedoch auch Angst vor einer neuen Arbeitsstelle, weil man nie weiß, ob es nicht noch schlimmer kommt. Vor allem habe sie Angst missbraucht zu werden. Die beiden Mädchen sprachen auch darüber wie viel Geld sie bekamen und bei beiden reichte das Geld gerade mal für das Busticket und etwas zu essen auf der Fahrt. Ich fühlte mich inmitten dieser Mädchen ein wenig unwohl, weil ich, obwohl ich ungefähr im gleichen Alter bin, auf ein ganz anderes Leben zurückblicken kann und auch eine ganz andere Zukunft und andere Chancen im Leben sicher habe als diese beiden Mädchen. Ich habe die Chance ein Jahr in einem anderen Land zu leben, reisen zu dürfen, mir aussuchen zu können, was ich später arbeiten möchte, ob ich studieren möchte, ich muss keine Angst haben, dass ich eines Tages nicht genug Geld haben werde, mir Essen zu kaufen, ich werde nicht geschlagen und nicht misshandelt – ich habe Sicherheit. Und die haben diese Mädchen nicht. Das hat mich sehr traurig gemacht.

Als dann das ältere Mädchen mir während der Fahrt einen Zettel schrieb, auf dem stand, sie wolle gerne noch ein paar Stationen weiter mit dem Bus fahren als geplant, weil sie in dieser Stadt mehr Chancen haben könnte, Arbeit zu finden, zögerte ich nicht lange und bezahlte ihr den Rest der Strecke. Es kostete nicht viel, nur etwa 2,50€, aber das ist in einem Land wie Tansania viel Geld. Nicht nur für die Tansanier, auch für mich. Deswegen konnte ich auch dem anderen Mädchen nicht noch helfen, als sie nach Geld fragte. Dass ich der Älteren Geld gab, war freundschaftlich gemeint und war eine Ausnahme. Ich wollte aber unter keinen Umständen die sein, die jedem Geld schenkt und dadurch das Bild unterstützen, dass die reichen Weißen schon Geld geben, wenn man danach fragt. Ich finde es schade, dass die Hautfarbe hier oft mit finanziellem Reichtum zusammengebracht wird und dass viele nicht verstehen, dass es auch einige europäische Menschen gibt, die nicht so viel Geld haben.

Die Busreise endete in Benako, einer kleinen Stadt ganz im Nordwesten von Tansania und dort wurden wir, die nach Ruanda fuhren, in Taxis geschoben und gequetscht, die uns zur Grenze brachten. Ein Kongolese, der sich dort an der Grenze gut auskannte, weil er oft zwischen Tansania und der DRC pendelte, nahm mich unter seine Fittiche und half mir bei allen organisatorischen Dingen während dem Grenzübergang. Das tansanische Geld musste in Rwandan Francs gewechselt werden, wir mussten uns in Tansania aus- und in Ruanda einchecken, die Uhr wurde nachgestellt (in Ruanda ist also im Sommer die gleiche Zeit, wie in Deutschland) und ich brauchte einen Bus nach Kigali. Ein Visum mussten wir zum Glück nicht beantragen.

Die Busfahrt war entspannt. In Ruanda fahren ähnliche Busse, wie die tansanischen Dalladallas, jedoch sind sie viel neuer, etwas größer und weitaus leerer, weil die Busse (im Gegensatz zu denen in Tansania) schon dann voll sind und niemandem mehr reinlassen, wenn jeder Sitzplatz besetzt ist. Dass im Bus jemand steht, habe ich die ganze Zeit, die ich in Ruanda verbracht habe, nicht gesehen!

Ich habe es sehr genossen, auf der langen Busfahrt in die Hauptstadt aus dem Fenster zu sehen. Die Landschaft dort ist sehr hügelig und alles ist grün. Die gut gepflasterte Straße schlängelt sich zwischen den kleinen Bergen entlang durch Dörfer, die den tansanischen sehr ähnlich sind, jedoch ein wenig wohlhabender wirken und somit wirklich schön aussehen. Ich habe kein einziges Haus in Ruanda mit einem Strohdach gesehen, die meisten Dächer waren mit Dachziegeln und andere mit Wellblech gedeckt. Außerdem sah man kaum ein unverputztes Lehmhaus. Entweder die Häuser waren verputzt und teilweise bunt angemalt oder sie waren sogar mit Steinen gemauert und einige Häuser hatten Glasscheiben in den Fenstern, Fensterläden und sogar Vorgärten.

Mwanza

Von meiner Fahrt nach Mwanza habe ich euch ja schon erzählt. Und jetzt, wo ich wieder zurück in Iringa bin, kann ich sagen: Es war weder die abenteuerlichste noch die längste Fahrt meiner Reise, aber dazu später mehr.

Mwanza liegt im Norden Tansanias, direkt am Viktoriasee, dem größten See Afrikas, und ist eine nette Stadt! Sie ist wohl sehr groß, aber ich war dort trotzdem lange nicht so verloren, wie das erste Mal, das ich in Dar Es Salaam war. Schnell hatte ich nette Eckchen gefunden, ein Internetcafé, schöne und leckere Restaurants und Plätze mit schönen Blicken auf den See. Ich hatte vorher per SMS von einer deutschen Freiwilligen, die in Mwanza wohnt, jedoch zu der Zeit selbst verreist war, einige Tipps bekommen, welche Plätze sehenswert sind und ich hatte mich auch selber im Internet informiert und merkte schnell, dass die meisten dieser besuchenswerten Orte recht nah aneinanderliegen.

Alleine kam ich sehr gut zurecht, ich musste mich nach niemandem richten, konnte mich einfach treiben lassen und lernte super schnell neue Leute kennen. Zum Beispiel fragte ich ein paar Tansanier, die auf einer umzäunten Grasfläche, ähnlich eines Parks, direkt am Ufer des Sees saßen, ob ich den Zaun überqueren dürfte und sie erlaubten es mir (sie waren für diesen Park zuständig, einerseits für die Blumen und Pflanzen, andererseits dafür, dass er sauber gehalten wird und durften so entscheiden, wer den Park betritt und wer nicht) und daraufhin unterhielt ich mich ganz lange mit ihnen. Sie fragten viele Fragen zu Deutschland und Europa, wir tauschten uns über die verschiedensten Themen aus und verbrachten einige Stunden zusammen am Ufer des Sees. Wir sprachen über Religionen, Straßenbau, Heirat (ein sehr großes Thema, vor allem die Frage, warum ich nicht einfach jemanden heirate, der mich auf der Straße danach fragt und inwiefern das in Deutschland vielleicht anders ist). Sie waren jedoch sehr offene Menschen und angenehme Gesprächspartner und hörten mir sehr interessiert zu und lehnten nichts ab, sie verstanden sogar einiges sehr gut. Im Gegenzug stellte ich natürlich auch einige Fragen über tansanische Gewohnheiten und Traditionen und lernte einiges Neues dazu. Mittags gingen wir zusammen etwas essen und sie halfen mir danach meine weitere Reise nach Ruanda zu organisieren.

Auch an meinem zweiten und letzten Tag in Mwanza traf ich wieder meine neuen Freunde und wir schauten uns zusammen den wunderschönen Sonnenuntergang über dem See an.

Am nächsten Morgen verließ ich das schöne Städtchen jedoch wieder und machte mich auf den Weg nach Ruanda.

Mehr dazu im nächsten Beitrag :)

Fahrt nach Mwanza

Hallo ihr Lieben!
Ich sitze gerade in Mwanza in einem Internetcafe und versuche jetzt irgendwie euch zu erzaehlen, wie ich hierher gekommen bin.
Meine Fahrt nach Mwanze verlief so ab:

5.30 Uhr morgens
Mein Pikifahrer (Motorradtaxi) holt mich, 15min verspaetet, bei mir zu Hause ab um mich zum Busbahnhof zu bringen. Der Bus faehrt um 6 Uhr los und ich muss eine halbe Stunde frueher da sein. 20 Minuten vor 6 bin ich am Bus. Es ist noch stockduckel draussen und trotzdem stehen schon etwa 10 grosse Busse dort abfahrbereit und einige Menschen versammeln sich darum oder kommen gerade an. Mein Bus steht ganz am Ende, mein Gepaeck wird hinein geworfen und ich klettere hinein. Mein Sitz: E1, relativ weit vorne und am Fenster. Im Gang stehen einige Menschen, die spontan zugestiegen sind und keinen Sitzplatz mehr bekommen haben. Die Armen, wir haben eine lange Reise vor uns, es sind um die 14 Stunden bis nach Mwanza!

6.10 Uhr
Der Bus faehrt los, langsam beginnt es zu daemmern, bevor es jedoch hell wird (was hier ja innerhalb von ca. 10min passiert, schlafe ich ein. Ich habe die Nacht zuvor nicht geschlafen, damit ich im Bus gut schlafen kann und diese Muedigkeit ueberkommt mich in dem Moment.

9.20 Uhr
Bis jetzt habe ich geschlafen. Zwischendurch bin ich aufgewacht und habe schoene Landschaften gesehen. Meistens eine endlose Weite voller riesiger Baobab-Baeume, sehr schoen. Jetzt stehen wir gerade mitten auf einer schlammigen Strasse und einige der stehenden Passagiere, alles Maenner, mussten aussteigen und helfen einen Steinberg aus unserem Weg zu raeumen. Als wir endlich vorbeifahren koennen, muessen noch einige weitere kurz aussteigen um den Bus leichter zu machen. Wir fahren wacklig einen kleinen Huegel runter, aber es ist zum Glueck nichts passiert.

10 Uhr
Die Fahrt geht weiter, die Landschaft ist jetzt nicht mehr so schoen. Ich schlafe wieder ein.

11 Uhr
Unser erster Halt: Dodoma, die tansanische Hauptstadt. Um unseren Bus gibt es ein riesiges Gedraengel, was es den Aussteigenden nicht moeglich macht aus dem Bus rauszukommen. Ich erfahre, dass der Bus, in dem ich sitze gar nicht nach Mwanza faehrt, sondern nach Arusha und dass ich beim naechsten Halt in Singida mit ein paar anderen umsteigen muss. Ma, wenn das mal klappt!

12 Uhr
Pinkelpause am Strassenrand kurz hinter Dodoma. Erst gingen nur die Maenner raus – die habens ja leicht – dann trauen sich auch einige der Frauen raus und hocken sich mit ihren grossen Tuechern etwas entfernt in die Buesche. Sie fanden es amuesant, dass ich es ihnen gleich tat. Aber so schnell wird es keine Pause mehr geben!

14.45 Uhr
Ich sitze jetzt in einem anderen Bus, der nach Mwanza faehrt. Diese Uebergabe hat zwar nicht in Singida stattgefunden, sondern auf einer Raststaette „kurz davor“, aber wenigstens bin ich in einem richtigen Bus. Mindestens bis Singida muessen wir jetzt stehen oder auf Eimern sitzen, weil der Bus eigentlich voll ist. Hoffentlich steigen in Singida genug Leute aus, dass wir alle Sitzplaetze bekommen!

16 Uhr
Seit einer Stunde fahren wir jetzt schon, ich sitze auf einem Eimer auf dem Gang und mein Po tut langsam weh, ich bin umringt von Sitzen und Koerpern und Singida will einfach nicht kommen! Ich schlafe die ganze Zeit immer wieder ein und mein Kopf, den ich nur an eine Lehne schraeg vor mir lehne, faellt immer wieder auf den Frauenhintern vor mir. Eine Frau hinter mir meinte eben, wir kommen so um 22 Uhr in Mwanza an, statt um 20 Uhr wie geplant.

16.45 Uhr
Wir fahren grade aus Singida los, fast alle haben einen Sitzplatz bekommen, ich sitze noch immer auf einem Eimerchen.

18 Uhr
Mir hat ein netter Mitpassagier einen Sitzplatz angeboten und ich sitze endlich mal wieder gemuetlich. Ich habe jetzt zum Glueck ein Hotel kontaktiert, ein Zimmer reserviert, und Bescheid gesagt, dass ich erst gegen 22 Uhr ankommen werde. Men Handyakku ist bald leer, aber ich habe zum Glueck ein paar Nummern im Kopf oder aufgeschrieben, fuer den Notfall. Die Musik im Bus ist laut, aber trotzdem kann ich immer wieder einschlafen. Die letzten Stunden werden sich jetzt noch ziehen!

24 Uhr
Soeben bin ich in meinem Hostel angekommen, 4 Stunden spaeter als geplant, die Fahrt hat also 18 Stunden gedauert. Zum Glueck nahm der Bus mich und einige andere noch mit in die Innenstadt, statt uns beim Busbahnhof, der ziemlich ausserhalb ist, rauszuschmeissen. Ausserdem organisierte mir einer der Schaffner ein Taxi, das mich direkt zum Hostel brachte. In dem Hostel klappte zum Glueck alles problemlos und ich bekam mein Zimmer und kann mich jetzt endlich in mein Bett fallen lassen.

Gestern habe ich den Tag jetzt schon in Mwanza verbracht und morgen werde ich, soweit das klappt, weiter nach Kigali (Ruanda) fahren. Das wird auch noch mal eine anstrengende Fahrt.Das naechste Mal erzaehle ich dann mehr von Mwanza und Kigali :)

Alles Gute euch,
Laura

Taufe #2

…diesmal aber nicht meine 😀

Vor einer Woche wurde ich von einer Mama aus dem Kinderdorf angesprochen, ob ich am Sonntag bei der Taufe ihrer beiden Kinder (eins der beiden lebt auch mit ihr im Kinderdorf) in der Lutheranischen Kirche dabei sein kann um Fotos zu machen. Ich musste mir zwar erstmal eine Kamera leihen, ansonsten freute ich mich sehr über diese Bitte.

Also machten wir uns Sonntagmorgen in Sonntagskleidern zu Fuß und mit dem Dalladalla auf den Weg in die kleine Lutheranische Kirche in Mbigili, wo um 10 Uhr der Gottesdienst beginnen sollte. Wir waren eine halbe Stunde zu früh dort, hatten also noch ein wenig Zeit vorher die Tochter einer unserer Küchenmamas zu besuchen, die ganz in der Nähe in einem kleinen Lehmhaus wohnt. Sie hatte gerade 4 Tage vorher ihr erstes Kind bekommen, was wir freudig bewunderten. Wir wurden herzlich von ihr in dem kleinen ‚Wohnzimmer’ empfangen, in dem zwei Sessel und eine Dreisitzer-Couch um einen kleinen Couchtisch standen. An den Wänden hing ein christliches Poster, eine Handtasche und ein Hannah Montana – Rucksack. Das Schlafzimmer lag direkt dahinter und war nur durch einen Vorhang vom Wohnzimmer getrennt. Einen weiteren Raum besaß das Haus nicht, trotzdem war es sehr gemütlich. In dem kleinen Haus wohnen drei Generationen. Das Neugeborene mit seiner jungen Mutter und seiner Großmutter. Außerdem sprang noch ein anderes kleines Mädchen um das Haus herum und eine ältere Frau war dort. Ob diese beiden auch dort wohnen, weiß ich aber nicht.

Als wir um kurz nach 10 zurück zur Kirche kamen, waren schon einige Menschen aus dem Dorf um das Gebäude versammelt und der Vater, die Tante und die (auch zu taufende) Schwester unseres kleinen Täuflings Noel waren angekommen. Alle begrüßten sich herzlich und nach kurzer Zeit wurde dann zum Gottesdienst gerufen, indem jemand mit einem Stock auf ein dickes Metall schlug, was einen ähnlichen Klang erzeugte, wie Kirchenglocken in Deutschland. Die Kirche ist aus Lehm gebaut und besteht aus einem einzigen kleinen Raum, in dem etwa 80 Menschen auf Plastikstühlen Platz nehmen können. Der Gottesdienst wurde von zwei Pfarrern geleitet: dem eigentlichen Pfarrer aus Mbigili, ein sehr netter Mensch, den ich schon einmal kennengelernt habe, und einem Gastpfarrer, der eigentlich in Ilula, einer kleinen Stadt ganz in der Nähe von Mbigili, arbeitet. Beide versuchten den Gottesdienst so spannend und interessant wie möglich zu gestalten, sie nahmen Beispiele aus dem Alltag um ihre Worte zu erklären und brachten die Gemeinde häufig zum Lachen. Auch wenn ich nicht immer alles verstand, konnte ich den beiden recht gut folgen und die langen Predigten machten mir kaum etwas aus. Es gab zwei verschiedene Chöre (Kiswahili ‚kwaya’, wie engl. Choir): einen Kinderchor und einen Chor von Erwachsenen und generell wurde viel mehr gesungen als in der katholischen Kirche. Die Lieder wurden meistens von einer Person vorgesungen und die restliche Gemeinde antwortete im Chor oder sang den Refrain. Ich konnte schnell bei den Liedern mitsingen, weil sich die Zeilen meistens sehr oft wiederholen.

Die eigentliche Taufe von Noeli, seiner Schwester und noch zwei weiteren Kindern fand erst ganz zum Schluss, nach über zwei Stunden regulärem Gottesdienst statt und war auch sehr schnell wieder vorbei. Es wurden keine Reden gehalten, Sprüche vorgelesen oder Kerzen angezündet, die Kinder wurden nur gesegnet, bekamen ein Wasserkreuz auf die Stirn und den Hals und wurden in der Gemeinde Willkommen geheißen. Am Ende bekamen alle Erwachsenen, die wollten, das Abendmahl. Nach drei Stunden Kirche verließen wir das Gebäude singend, bildeten draußen noch mal einen großen Kreis und der Pfarrer sagte ein paar letzte Worte. Außerdem wurden 3 Plastiktüten mit Gemüse versteigert, die zuvor als Spende an die Kirche gegeben wurden. Am Schluss wurde ein letztes Lied gesungen, jeder gab seinen Nachbarn die Hand und der Gottesdienst war beendet.

Nach Noelis Taufe

Auch wenn dieser Gottesdienst länger gedauert hatte, als die meisten in der katholischen Kirche, war er kurzweiliger, weil ich mehr verstand und die Stimmung familiärer und angenehmer war. Das war also wieder eine schöne Erfahrung!

Viele liebe Grüße,
eure Laura