Abenteuerliche Rückfahrt

Meine Rückfahrt ging über mehrere Stationen und dauerte insgesamt etwa 6 Tage. Da ist aber auch ein Tag Pause eingerechnet. Sie startete in Kigali am Dienstagmittag und endete in Iringa am Montagmorgen eine Woche später. Am Mittwoch übernachtete ich also in Benako, in Tansania, an der ruandischen Grenze. Am nächsten Morgen musste ich eigentlich um 6 Uhr wieder am Bus sein und war deshalb ziemlich erschrocken, als ich aufwachte und mein Wecker 6.05 Uhr anzeigte. Ich sprang aus dem Bett, zog mir schnell die Klamotten vom Vortag an und lief so schnell es mein schwerer Rucksack zuließ zu der Bushaltestelle, wo kein Bus stand. Später erfuhr ich dann, dass der Bus noch lang nicht da war und dass ich mir keine Sorgen machen musste. Um kurz vor 7 saß ich dann im Bus, erleichtert, nicht noch einen Tag und eine Nacht in diesem kleinen, vollen Durchfahrtsort verbringen zu müssen. Nach etwa 7 Stunden Fahrt war ich am frühen Nachmittag wieder in Mwanza, wo ich wieder meine Freunde besuchte, die Freiwilligen dort traf und die schöne Stadt genoss. Dadurch, dass ich noch ein paar Tage Urlaub hatte, hatte ich entschieden über Moshi zurückzufahren, in der Hoffnung dort den Kilimanjaro zu sehen, also fuhr ich am nächsten Morgen früh los in Richtung Moshi. Neben mir im Bus saß eine Mutter mit etwa 2-jährigen Zwillingen, die nach Arusha wollte. Und da die Sitze in den Bussen so eng sind, konnte sie natürlich nicht beide Kinder auf ihrem Schoß haben, so hatte ich kurz darauf für die nächsten 12 (von insgesamt 13) Stunden ein kleines Mädchen auf dem Schoß. So ist das in Tansania.. 😀 Auf dem Weg nach Arusha verändertee sich die Landschaft, die Wiesen wurden weiter und man sah immer häufiger Menschen mit blauen oder roten Gewändern: die Maasai. Außerdem sah man oft rieeesengroße Herden Ziegen oder Kühe mit ein paar hirtenden Maasai dabei, häufig auch Kindern. Und immer mal wieder konnte man ein kleines Dorf aus runden Strohhütten sehen oder eine Maasai-Versammlung. Das war echt spannend zu sehen. Und das waren auch mal keine Touristen-Maasai, die ihren Schmuck in Sansibar am Strand verkauften, sondern die sahen schon ziemlich echt aus.
Leider kam ich im Dunkeln in Moshi an, sodass ich am Abend keine Chance mehr hatte den beeindruckenden, großen Berg zu sehen, ich hatte aber gehört, dass man den Kili gerade morgens super bewundern konnte und dass er auf meiner Fahrt nach Dar am nächsten Tag gut sichtbar sein sollte, also ging ich zuversichtlich ins Bett und stand am nächsten Morgen früh auf um wieder ernüchtert zu werden: Der Himmel war weiß! Kein einziger blauer Fleck am Himmel, der mich hoffen ließ noch irgendwas zu sehen.. Also war mein Umweg über Moshi ein wenig umsonst gewesen.. Ich fuhr also weiter nach Dar Es Salaam. Die Fahrt dauerte ziemlich lang, aber ich hatte mir während den ganzen letzten Fahrten die Wochen zuvor angewöhnt, kaum noch aus dem Fenster und schon gar nicht auf die Uhr zu schauen. Also nicht zu warten sondern einfach meine Zeit mit irgendwas anderem zu verbringen: meistens Sudoku. So wurde es irgendwann dunkel und es regnete in Strömen und irgendwann erreichten wir den Busbahnhof von Dar Es Salaam in einem abendlichen Unwetter. Irgendwie musste ich aber noch in die Stadt kommen und das war gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Ich teilte mir mit einem anderen Reisenden aus meinem Bus ein Taxi, jedoch merkten wir nach etwa einer halben Stunde, dass die Straßen in die Innenstadt komplett überflutet waren und in dem Stau ging es erstmal weder vor noch zurück. Nach 2 Stunden Taxifahrt (die ich wieder mit Sudoku verbracht hatte um nicht ungeduldig zu werden) kam ich dann jedoch trotzdem in meinem Hostel an, weil der Fahrer es geschafft hatte einen anderen Weg in die Stadt zu nehmen und somit erst meinen Mitfahrer und dann mich an unseren jeweiligen Zielen abzusetzen. Da fiel meine Entscheidung den nächsten Tag erst einmal in Dar Es Salaam zu bleiben und nicht direkt weiter nach Iringa zu fahren. Ich hatte echt genug von Bussen!
Den nächsten Tag schlief ich aus und verbrachte die meiste Zeit dann mit einem meiner Mitfreiwilligen aus Iringa, der mit seiner Familie in einer Lodge am Strand war. Dort regnete es zwar weiter wie aus Eimern, aber das konnte uns nicht davon abhalten in den Pool zu springen und die Zeit ein wenig zu genießen. Bis spät am Abend war ich dort und fuhr dann wieder zurück in mein Hostel.
Ja, und am nächsten Tag hatte ich dann die Horrorfahrt schlechthin, die längste und anstrengendste und abenteuerreichste und gefährlichste Fahrt meines ganzen Urlaubs auf der kürzesten Strecke. Um halb 10 Uhr morgens (letzten Sonntag) fuhr mein Bus aus Dar Es Salaam los. Ich war (glücklicherweise) spontan in einen luxuriöseren, neueren und nur sehr wenig teureren Bus gestiegen und saß so relativ gemütlich. Etwa eine halbe Stunde nach Abfahrt (draußen sah es noch sehr nach Dar aus) blieben wir stehen und irgendwann hieß es sogar wir müssten aussteigen und ein Stückchen laufen. Draußen sahen wir, dass wir auf einer Art Brücke standen, die in der Mitte etwa einen halben Meter eingesunken war. Es war also eine Kuhle in der Mitte der Brücke, über die der Bus lieber leer fuhr. Beim Bus angekommen stiegen alle wieder ein und die Fahrt ging weiter. Jedoch nicht lange. Nach ca. einer weiteren Stunde Fahrt (noch lange vor Morogoro, das etwa 3 Stunden von Dar entfernt ist), es war noch nicht mal 12 Uhr standen wir wieder (was mir durch mein Sudoku jedoch erst ein wenig später auffiel) und am Anfang wusste niemand was los war. Einige stiegen aus, der Busfahrer war auch schon länger nicht mehr da und vor hinter und neben uns stand alles voller Fahrzeuge, die meisten waren Reisebusse. Irgendwann erfuhren wir was los war: Weeeeeit vor uns war ein Fluss durch den vielen Regen der letzten Tage überschwemmt und so hoch gestiegen, dass er die Brücke, über die die Straße führte, überschwemmt hatte. Sie war also nicht passierbar und alle Autos, die seit dem Morgen darüber wollten, standen davor und warteten. Irgendwann bekam ich einen Anruf von einem anderen Freiwilligen aus Iringa, der erfahren hatte, dass ich auch in diesem Stau stehe und vorschlug, dass wir uns ja treffen könnten. Er war jedoch schon um 6 Uhr morgens losgefahren und somit weit vor mir. Ich hatte jedoch nichts zu verlieren, da ich ja falls der Stau sich legte, einfach an der Straße auf meinen Bus warten konnte. Also machte ich mich auf den Weg, ich lief zügig und nach etwa 20min laufen (ich hatte ein paar Mal in den Bussen gefragt, wann sie Dar Es Salaam verlassen hatten, dass ich nicht schon vorbei gelaufen war), nahm ich mir ein Motorradtaxi um weiter zu kommen und irgendwann sah ich den Bus, der mir erklärt wurde und ich traf sogar meinen Kumpel dort. Die nächsten 3-4 Stunden verbrachten wir also zusammen, was nicht mehr so langweilig war und irgendwann erfuhren wir 2 Sachen:
1. dass der Präsident auch in unserem Stau gestanden hatte, irgendwo ganz vorne, aber mit einem Helikopter abgeholt wurde und
2. dass anscheinend um 16 Uhr ein ‚großes Auto’ kommen solle, dass versucht über diese Brücke zu fahren und schaut, ob die überhaupt noch ganz ist und das aushält und wenn das schafft rüberzukommen, könnten alle Fahrzeuge rüberfahren.
Irgendwann am späten Nachmittag bewegte sich der Verkehr langsam weiter (stockte aber immer wieder) und ich entschied, mit einem Motorradtaxi wieder zurück zu meinem Bus zu fahren. Auf dem Weg fuhr ich an einem Safariwagen mit Ausländern vorbei und als ich genauer hinsah, erkannte ich meinen Mitfreiwilligen mit seiner Familie, mit denen ich den Vortag verbracht hatte. Die Armen waren schon um 4 Uhr morgens losgefahren und wollten eigentlich noch bis Arusha kommen. Ich unterhielt mich kurz mit ihnen und wünschte ihnen eine gute Reise.
Meinen Bus fand ich dann irgendwann auch und einige Passagiere lachten, als sie mich sahen, weil sie schon gedacht hatten, ich wär noch irgendwo anders und würde den Bus nicht mehr finden.
Es dauerte noch ziemlich lange bis wir die Brücke erreichten. Das Problem war, dass die einspurige Straße, auf der wir standen, bis zur Brücke zweispurig, also auch auf der Gegenverkehrseite, befahren wurde und das sicherlich auf der anderen Seite der Brücke nicht anders aussah, es konnte also keine Seite fahren. Später sahen wir, dass die andere Seite ihre Fahrzeuge zur Seite gefahren hatten und auf großen Plätzen abgestellt hatten, was bei uns gar nicht möglich gewesen wäre.
Ja, und dann kamen wir zur Brücke. Es war schon lange dunkel, ca. 21 Uhr, ich war also schon seit 12 Stunden unterwegs und hatte bisher eine Strecke hinter mir, die man an normalen Tagen in 1,5 Stunden schafft.
Von dem ‚Fluss unter’ der Brücke war nicht viel zu erkennen. Was wir sahen, war ein endlos erscheinender See, von dem man kaum ein Ende entdecken konnte (was natürlich unter anderem auch an der Dunkelheit lag). Von der Brücke sah man nichts, außer ein paar Büschen, die aus dem Wasser lugten und anscheinend den Rand der Brücke aufzeigten. Wir fuhren langsam und dicht hinter dem Bus vor uns. Wirklich gefährlich wurde es vor allem dort, wo die Büsche nicht mehr zu sehen waren. Dort fuhren wir einfach durch einen riesigen See, in der Hoffnung nicht von der Brücke abzukommen und unterzugehen. Ich hatte in dem Moment wirklich Angst und malte mir schon die schlimmsten Szenarios aus, dabei war ich wahrscheinlich sogar eine der wenigsten, die schwimmen konnte. Die Menschen, die rechts am Fenster saßen, sagten aufgeregt, dass sie im Wasser sogar einen LKW und ein Motorrad schwimmen sahen..
Natürlich atmeten alle erleichtert auf und bekreuzigten sich, als wir endlich wieder trockene Straße unter den Rädern hatten. Das war echt ziemlich spannend!
Auf der anderen Seite der Brücke fuhren wir dann wieder kilometerlang an stehenden Autos und Bussen und ausgestiegenen Menschen vorbei, die dort noch eine ganze Zeit warten mussten, bis sie weiterfahren konnten.
Etwa um Mitternacht oder kurz danach erreichten wir Morogoro wo einige Passagiere ausstiegen. Ich schlief ein und irgendwann als ich wieder aufwachte, stand unser Bus wieder. Es war mitten in der Nacht und es wurde uns nicht erlaubt in der Nacht weiterzufahren. So standen wir am Straßenrand bis wir um 5 Uhr weiterfahren konnten. Um 8 Uhr morgens kam ich nach 22,5 Stunden Fahrt in Iringa an.
Durch diese letzte Horrorfahrt, die noch mal zusätzlich anstrengend war, weil mein Auge entzündet war (dazu im nächsten Beitrag mehr), habe ich in diesen 2 Wochen Urlaub insgesamt 99 Stunden Busfahrt hinter mir. Und das nur an 8 wirklichen Fahrttagen.. Wenn ich die jeweils 3 Stunden nach Kibuye und zurück nicht mitrechne, habe ich pro Reise durchschnittlich ca. 15 Stunden im Bus gesessen. Jetzt kann ich das typisch tansanische „Pole na safari“ (Tut mir leid, dass du reisen musst) voll und ganz verstehen und so schnell werde ich mich nicht mehr freiwillig in einen Bus setzen, wenn ich es verhindern kann.
Generell war mein Urlaub aber sehr spannend, erholend und schön! Ich habe mich am Ende aber auch wieder auf das Kinderdorf gefreut. Dass ich das aber erstmal wieder nicht genießen kann, erfahrt ihr im nächsten Artikel.

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