6 Stunden zu Fuß in Iringa

Ihr lieben Menschen im fernen Norden,

heute Morgen sind Kathrin und ich, nach einer warmen (!! :)) Dusche, mit Christoph (unserem anderen Mitfreiwilligen, der schon ein Jahr hier ist und um ein halbes Jahr verlängert hat) zu Fuß zur ‚Bushaltestelle‘ gelaufen (einfach ein bestimmter Platz an der Straße) und von dort aus mit dem Dalla Dalla (ein vollgestopfter Kleinbus, in den sitzend etwa 15, stehend aber locker 30 Leute reinpassen und der 400 Shillingi (=20ct) durch die ganze Stast kostet) in die Stadt gefahren um einige Erledigungen zu machen, Frühstücken zu gehen, Sachen zu kaufen und eine Stadttour zu machen.
Da heute ein muslimischer Feiertag (Ende der Fastenzeit?) ist und zusätzlich noch mitten in den Semesterferien, war in der Stadt heute laut Christoph wirklich tote Hose, ich fand aber schon so, dass auf den Straßen recht viel loswar.
Zu allererst sind wir zu einem Copyshop gegangen, in der Hoffnung, dass dort Kathrins Ausweis liegengeblieben war, den sie nicht mehr fand und als wir dort ankamen, hielten uns die Frauen dort lächelnd ihren Perso entgegen, was uns sehr erleichterte.
Danach wollten wir Frühstücken gehen, doch da wir um 11 Uhr relativ spät dran waren, entschieden wir uns kurzerhand, in einer Bäckerei, die es hier erstaunlicherweise gibt, Donuts zu kaufen und danach in ein recht westliches Café zu gehen um dort Brownie und Smoothie zu frühstücken. Das war entsprechend lecker und gesättigt, wie wir dann waren, liefen wir weiter um die Stadt zu erkunden (mit unserem sehr erfahrenen Guide natürlich immer an unserer Seite).
Christoph zeigte uns zum Beispiel den großen Second Hand Market, den es in Iringa gibt. Dort werden die gebrauchten Klamotten verkauft, die bei uns zu Altkleider-Containern gebracht werden. Es ist wirklich ein sehr großer Markt mit vielen kleinen Ständen, die sich jeweils auf ein bestimmtes Kleidungsstück konzentrieren. Bei dem Stand von einem kleinen Jungen, genannt Mr. Sweater hielten wir uns besonders lange aus und gingen erst wieder, als jeder von uns dreien 1 – 2 Pullis für je 3-4€ gekauft hatte. Irgendwo auf diesem Markt kamen wir dann zu einer Art kleinen Arena, wo ca. 20 Händler auf Tribünen am Rand standen und Kleidungsstücke hochhielten und den vielen in der Mitte stehenden Menschen immer weiter sinkende Preise zuriefen, bis sich jemand dafür interessierte und er oder sie das Teil zugeschmissen bekam. Das war echt spannend zu sehen, dort waren wir die einzigen Weißen (in Iringa gibt es ansonsten recht viele Ausländer und auch ziemlich viele Freiwillige) und viele sprachen uns an und wollten uns Kinderkleidchen oder Blusen andrehen, und das wirklich für fast nichts (zum Beispiel habe ich dort eine Jeansjacke gesehen, für die der Händler 1500 Shillingi, also nichtmal einen Euro wollte! Manche Händler an den Ständen waren echt sehr nett und freuten sich, wenn man auf Kiswahili nach dem Preis fragte oder versuchte, sich mit ihnen zu unterhalten.
Was heute auch ein Erlebnis war, war als Christoph, Kathrin und ich uns am Straßenrand mit ein Paar Kindern unterhielten, die uns auf Englisch ‚How are you?‘ oder ‚Good afternoon‘ zugerufen hatten. Irgendwann kam deren Mutter oder eine andere Frau aus deren Haus raus, die wir förmlich grüßten und mit der wir uns kurz unterhielten und kurz darauf bat sie uns mit einem kurzen ‚Karibuni‘ (=Seid willkommen) in ihr Haus! Wir nahmen die Einladung dankend an, was sie sehr freute und sie führte uns in ein kaum möbliertes Zimmer, in dem mehrere Frauen und Kinder (auch ein sehr kleines) auf Tüchern auf dem Boden saßen und uns freudig begrüßten. Sie holten uns Stühle und fragten uns, wie wir heißen und woher wir kommen, was wir hier machen und einige Sachen verstand ich sogar und konnte schon ein wenig antworten. Die eine Mama (Mama heißen hier alle Frauen, die Kinder haben, meistens dann zum Beispiel Mama Mika, wenn Mika das erstgeborene Kind ist) stillte seelenruhig nebenbei das kleine Kind. Das war wirklich sehr nett bei den Frauen und sie sagten immer wieder, wie sehr sie sich freuten, dass wir da sind und sie zeigten wirklich sehr viel Interesse. Ein tolles Erlebnis!! :)
Außerdem waren wir heute bei einer Schneiderin und haben richtig tollen Stoff abgegeben, den wir uns vorher für 4€ gekauft haben, aus dem sie uns jetzt was tolles schneidern wird! Ich habe mir ein Kleid bestellt, mal sehen, ob das so schön wird, wie ich denke! Schneidern lassen ist hier seehr gebräuchlich. Es gibt an jeder Ecke Stoff-Dukas (Läden voller verschiedener bunter und wunderschöner Stoffe) und an jeder zweiten Ecke sitzt eine Schneiderin, die dir für nicht viel Geld Kleidungsstücke schneidert, so wie du sie haben willst. Das dauert etwa eine Woche und kostet um die 5€, richtig toll!
Was haben wir heute sonst noch so gemacht? Ich habe mir ein Paar schöne kleine Körbe für mein Zimmer gekauft, in die ich dann Haarbänder oder Ketten reintun kann, damit ich in meinem Zimmer schön Ordnung halten kann! Ansonsten haben wir lecker bei einer Mama in der Markthalle gegessen und sind viel rumgelaufen, haben Straßen gesehen, Menschen getroffen und nach Stoffen geschaut. Vor einer Stunde etwa sind wir mit dem Dalla Dalla zurückgefahren, wieder hoch zu unserem schönen Haus gelaufen und sind erschöpft aufs Bett gefallen. Ein sehr schöner, spannender und anstrengender Tag!
Nächste Woche bin ich übrigens von Montag bis Samstag wieder in Iringa, also hier in der Stadt und nicht im Kinderdorf, weil ich ganz in der Nähe von unserem Haus mit anderen Freiwilligen zusammen einen Sprachkurs machen werde. Hier in der Stadt bin ich besser zu erreichen und ich kann eher nochmal Blog schreiben, was im Kinderdorf immer nur bedingt geht.. Vielleicht höre ich ja mal von euch!

Bis dahin auf jeden Fall einen lieben Gruß und dicke Umarmungen,
eure Laura

Ein Gedanke zu „6 Stunden zu Fuß in Iringa

  1. Liebe Laura, wir freuen uns sehr, dass es dir so gut geht und dass du so schöne Erlebnisse machst! Deine Blog-Einträge sind echt interessant und lebhaft geschrieben :) Uns geht es auch sehr gut und wir genießen unseren schönen Urlaub! Ganz viel Spaß und tolle Erfahrungen von deiner Familie und liebe Grüße auch an Kathrin! Deine Familie <3

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